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<  Kreativ  ~  Klonmädchen Lena - 2.Kapitel

BeitragVerfasst: 22. Mär 2007, 01:03
BenutzeravatarBeiträge: 180Registriert: 12. Mär 2007, 14:08
Klonmädchen Lena 2.Kapitel:

Am nächsten Morgen jagte König sie unsanft hoch: „Los! Frühstück! Aber Beeilung!“
Hastig folgte Lena der harschen Aufforderung. Für König gab es ein gemischtes Getreidemüsli, in das sie einen kleinen Apfel schnitt, für sie gab es Instkarb. Gerne hätte sie die Kohlehydratpellets mit einem Schluck Milch verfeinert, aber König duldete so etwas nicht. So musste sie sich mit Leitungswasser begnügen. Sie servierte ihm sein Frühstück im Wohnzimmer. Als er aus dem Bad kam, setzte er sich hin, schaltete das Tivi ein und mampfte sein Müsli schlürfend. Lena saß in der Ecke auf ihrem kleinen Hockerchen und löffelte ihr Instkarb. Plötzlich spürte sie ein leises Zucken im Kopf. Erschrocken schaute sie hoch. „Nonclone“ flimmerte unten über den Tivibildschirm. Sofort stand Lena auf und verließ das Zimmer. Sie begab sich in ihre Kammer und schloss die Tür hinter sich. Dort drinnen war sie von der Außenwelt abgeschnitten. Sie konnte nicht verstehen, was im Tivi gesagt wurde, und das war Absicht. „Nonclone“ bedeutete: „Nicht für Klone.“
Es gab Bereiche draußen, die für Klons verboten waren, Areale, die ein Klon nicht betreten durfte und manchmal waren bestimmte Orte einige Zeit für Klone gesperrt. Ebenso gab es Tivisendungen, die für Klone nicht erlaubt waren. Dann sandten die allgegenwärtigen elektronischen Wächter und Überwachungsinstrumente ein Signal aus, das jeder Klon in Reichweite im Kopf spürte. Dieses Signal bedeutete „Nonclone“. Gleichzeitig erschien das „Nonclone“-Symbol auf dem Bildschirm. Ignorierte ein Klon die Anweisung, fernzubleiben, wurde das Signal in dreifacher Stärke wiederholt. Das war dann schon ausgesprochen unangenehm. Das konnte man unmöglich ignorieren. Half es trotzdem nichts, sandte die Überwachung das Deaktivieren-Signal und der Klon wurde gelähmt.
Jeder Klon trug entsprechende Implantate im Körper. Das war Sicherheitsstandart. Wo ein Klon nicht rein durfte, kam er nicht rein und umgekehrt kam er nicht raus, wenn er nicht durfte.
Lena aß ihr karges Frühstück im Dunkeln. Kaum war sie fertig, wurde die Tür aufgerissen. Hastig sprang sie auf.
„Wohnung saubermachen!“ blaffte König. „Aber anständig, Fräuleinchen, sonst setzt es heute Abend etwas.“
„Ja“, sagte Lena schüchtern.
König zog sich für die Arbeit an. Dabei maulte er in einem fort über die „dämlichen Alten“, denen er die vertrockneten Hintern wischen musste. Wilhelm König war Altenpfleger in einem teuren Altersheim für reiche Leute. Dort arbeiteten keine Klone in der Pflege. Die alten Leute bestanden darauf, von echten Menschen bedient und versorgt zu werden. Schon oft hatte König Lena von der Arbeit erzählt. Ganz miese alte Säcke waren das. Die hatten den Arsch voll Geld und leisteten sich echte Menschen als Lakaien, die ihnen zu Willen zu sein hatten. Es machte den Alten Spaß, ihre Bediensteten herum zu hetzen und zu schikanieren. Bei einem Klon war das nur halb so schön. Echte Menschen konnte man viel schöner triezen. Aber König brauchte das Geld. Er hätte sich jederzeit OA melden können, also Ohne Arbeit. Dann hätte der Sozialfonds für ihn gesorgt. Kein Mensch musste in der Welt der Zukunft hungern oder frieren. Er würde eine Marke bekommen und alles, was er zum täglichen Leben benötigte, auf Sozcard erhalten. Allerdings bekamen OAs kein Bargeld. Das bedeutete: Keine Pornofilme, keine Luxuslebensmittel und vor allem kein Alkohol. Weil König aber fast jeden Tag saufen wollte, musste er arbeiten gehen, ob es ihm passte oder nicht.
Lena wartete, bis ihr Besitzer fort war, dann reinigte sie das Frühstücksgeschirr im Sterilisator und machte sich ans Aufräumen und Putzen. Es war nicht viel Arbeit, denn die Wohnung war klein. Wo König auf dem Sofa hockte, gab es regelmäßig Flecken von Senf, Ketchup und Bier, manchmal sogar an der Wand, aber ansonsten war nicht so viel zu tun. In einer Stunde war Lena fertig, auch wenn sie sehr gewissenhaft war.
Trotzdem würde König am Abend irgendetwas finden, dass nicht in Ordnung war. Das war immer so. Er suchte einen Grund, um sie zu schlagen, seine Wut auf sein erbärmliches Leben an ihr auszulassen. Lena seufzte.
Sie schaltete das Tivi ein. Da der gesamte Wohnblock eine Flatrate hatte, kostete das kein Geld. Im Gegenteil. Es war Bürgerpflicht, mindestens fünf Stunden pro Woche Tivi zu schauen. Einmal damit man die Nachrichten sah und auf dem neuesten Stand war und natürlich wegen der Reklame. Alle großen Konzerne produzierten Unterhaltungsserien und kleine Spielfilme, in denen sie ihre Produkte geschickt anpriesen. Da die Konzerne einen Großteil der Allgemeinkosten des Tivi trugen, wollten sie ihre Investition wieder herein holen, indem sie den Leuten alles Mögliche auf dem Bildschirm servierten, angefangen von Lebensmitteln, Kleidung und Badezimmerartikeln bis zu Klonen, Autocars und Flugreisen zum Mond. Gerade lief ein Spot über den neuesten Haushaltsrobo von SCHRUBBMAID. Ein kleines schuhschachtelgroßes Ding wuselte über den Boden und saugte Dreckkrümel und Staub auf und wich dabei geschickt den Möbeln aus. König hatte keine Haushaltsroboter. Er hatte ja Lena.
„Du kostest mich schon mehr als genug, also tu auch was“, knurrte er oft.
Lena machte es nichts aus, im Gegenteil. Sie war überglücklich, wenn Putztag war. Dann hockte sie nicht eingesperrt in ihrer dunklen, kalten Kammer sondern konnte sich frei in der ganzen Wohnung bewegen. Sie konnte ein bisschen Tivi schauen und mit dem Computer ins Weltnetz gehen und sich alle Seiten anschauen, die für Klone zugelassen waren, und das waren in der Tat viele. Klickte sie einmal unabsichtlich auf eine Seite, die nur für Menschen zugänglich war, klappte ein großes Fenster auf dem Schirm auf mit der Aufschrift NONCLONE. Der Computer registrierte natürlich anhand von Lenas Implantaten, dass sie kein Mensch war und verwehrte ihr den Zugang. Sie war neugierig, was so geheimnisvoll von den Sendungen war, die NONCLONE gestellt wurden. Über was wurde da berichtet? Sie konnte sich keinen Reim machen.
Andere Seiten waren ihr ohne weiteres zugänglich. So hatte sie zum Beispiel den Account gefunden, der auflistete, wie viele Eken König pro Monat für ihren Besitz abzahlen musste. Die Zinsen waren horrend und er musste volle 5 Jahre bezahlen. Vielleicht war er deshalb immer so wütend auf sie.
„Ich kann doch nichts dafür“, piepste sie, während sie den Kühlschrank feucht abwischte.
Sie hatte die Hoffnung längst aufgegeben, dass König eines Tages netter zu ihr sein könnte. Anfangs hatte sie davon phantasiert, wie er sich plötzlich in einem lieben und guten Menschen verwandelte, weil er das Saufen aufgab, und wie er sie von da an immer gut behandeln würde. Aber sie wusste, sie hatte keine Chance.
Einen Fehlgriff nannte König sie immer wieder. „Ich hätte eine erwachsene Frau kaufen sollen“, grollte er oft. „Mit der hätte ich wenigstens was anfangen können. Aber mit dir? Du bist zu nichts nutze, du blöde Zicke. Nicht mal bumsen kann ich dich.“ Zu Anfang war er noch ganz erträglich gewesen. Als Lena neu zu ihm kam, behandelte er sie nicht so bösartig wie später. Aber sie wusste nicht, was er von ihr erwartete und immer häufiger kamen Sätze wie: „Du bist einfach nur blöd!“ und „Du bist zu nichts zu gebrauchen! Rausgeschmissenes Geld!“
König hatte sich finanziell übernommen, um ein Statussymbol zu erwerben, mit dem er nichts anfangen konnte und das versetzte ihn ein ums andere Mal in Rage. Hätte er sich ganz zu Anfang entschlossen, sie wieder zu verkaufen, wäre es vielleicht noch gut gegangen. Aber ein Klon verlor beim Kauf schon enorm an Wert. Nach zwei Jahren bekam man kaum noch die Hälfte des Kaufpreises und je länger der Klon lebte, desto geringer fiel der Geldwert aus. Weil König aber den Kredit bis zum bitteren Ende abzahlen musste, behielt er Lena und benutzte sie als Blitzableiter für seinen Hass auf das eigene Leben. Wenn er sah, dass sie vor Angst fast verging, ging es ihm gut. Und wenn er sie fertig machte und erbarmungslos verdrosch, konnte er seine Wut abreagieren. Mal so richtig Dampf ablassen, wie er das nannte. Es war für ihn eine Wohltat, sie schluchzend und zusammengekrümmt am Boden liegen zu sehen.
Für Lena war es eine nicht enden wollende Qual. Sie lebte in ständiger Furcht. Da war immer diese Angst vor Gewalt und Schmerzen. König suhlte sich in der jämmerlichen Macht, die er über das kleine Mädchen hatte.
Im Tivi kam ein Film über Nationalparks in Süddeutschland mit atemberaubenden Naturaufnahmen. Man konnte dort Urlaub machen, inmitten unberührter Natur. Ein Traum. Manchmal phantasierte Lena vor sich hin. Dann floh sie aus Königs Wohnung und versteckte sich in einem Nationalpark und lebte dort glücklich und zufrieden.
Sie seufzte erneut. Nur ein Traum. In echt konnte sie nicht einmal die Wohnung verlassen, wenn König es nicht gestattete. Sie Sensoren an der Tür würden sie unerbittlich aufhalten. Und selbst wenn es ihr glücken sollte, sich zu einem der großen Parks durchzuschlagen, konnte man sie überall lokalisieren. Im Inneren ihrer Knochen trug sie Implantate, die über Satellit jederzeit meldeten, wo sie sich befand. Noch dazu trug sie die deutlich sichtbare Klonmarke am linken Ohr.
Klons waren nicht wirklich frei. Man konnte sie über die Implantate steuern und sollte je ein Klon versuchen, einen Menschen anzugreifen, würde die elektronische Überwachung ihn per Fernimpuls über die Implants sofort demobilisieren. Dann fiel er um und wurde bewusstlos.
Sehnsüchtig schaute Lena den Film an. Wenigstens war sie heute ein wenig frei und durfte sich in der Wohnung bewegen. Es war entsetzlich, immer in der dunklen Kammer eingeschlossen zu sein. In ihrer Gebrauchsanleitung stand, dass Lena regelmäßige Bewegung brauchte und Sonnenlicht und nach Möglichkeit ein wenig Zuwendung, um ihre Funktionstüchtigkeit möglichst lange zu erhalten. Ha! Zuwendung erhielt sie ja und zwar in Form von Schlägen und Knochenbrüchen.
Lieber Gott, erlöse mich, betete Lena in Gedanken. König hatte ihr erklärt, dass Gott nur für die Menschen da sei, nicht für Klone. „Du bist nichts weiter als künstlich hergestelltes Fleisch. Du siehst aus wie ein Mensch, aber du bist nur ein intelligentes Schnitzel“, hatte er sie angeraunzt und gemein gelacht, als sie ihn nach Gott fragte. „Nicht Gott hat dich erschaffen. Wir Menschen waren das. Also existierst du für Gott überhaupt nicht.“
Lena glaubte das nicht. Sie war ein denkendes, fühlendes Wesen, das Schmerz und Leid ebenso wie Freude und Glück spüren konnte. Zwar war sie künstlich im Biotank erzeugt, aber sie hatte dieselben Organe und Muskeln und Knochen wie ein echter Mensch und sie fühlte auch so. Nur dass sie keinerlei Menschenrechte besaß. Sie glaubte fest daran, dass Gottes Sohn Jesus auf sie nieder schaute und eines Tages ihre kleine Seele mit hinauf in den Himmel nehmen würde. Sie hatte einmal einen Film im Tivi gesehen, in dem ein gütiger Jesus sich für die Armen, Kranken und Schwachen einsetzte. „Was ihr den Kleinsten und Schwächsten antut, das tut ihr mir an“, sagte Jesus und er hob ein kleines Kind hoch und drückte es.
Oft träumte Lena, dass Jesus sie so in die Arme nehmen würde. „Habe keine Angst, Lena, nun ist alles gut“, würde er dann sagen und sie mitnehmen.
Stattdessen war sie in der Gewalt von König und ihm hilflos ausgeliefert, ein kleines menschenähnliches Wesen ohne Rechte.
„Ich wollte, er bekäme einen Herzinfarkt“, flüsterte sie unglücklich. Was natürlich nichts nützen würde. Die Biosensoren der Wohnung würden alles registrieren und sofort die Meds alarmieren. Man würde König retten. Menschen wurden immer gerettet. Menschen wurden immer geschützt. Auch wenn sie böse und gemein waren. Klone wurden nicht gerettet. Wenn ihnen etwas widerfuhr, ging es ab in die Totalregenerierung.

König kam ausnahmsweise direkt nach der Arbeit nach Hause. Lena war so verdutzt, dass sie nur da stand und dumm glotzte. Prompt bekam sie einen Schlag ins Gesicht, dass sie quer durch den engen Flur segelte und gegen die Küchentür prallte.
„Was starrst du so dämlich?!“ brüllte König. Schon war er über ihr. Lena machte sich darauf gefasst, dass es rundgehen würde. Schon so früh? Dann bekam sie später am Abend bestimmt noch eine Tracht Prügel. Sie unterdrückte ein Wimmern. Wenn sie winselte, machte das König noch wütender. Bloß nicht wimmern und bloß nicht weinen!
Er hob die Hand. Dann überlegte er es sich anders. „Hol deine guten Klamotten und mach dich ausgehfertig, Zicke! Los!“
Lena raste augenblicklich zu ihrem Spind und holte die Sachen heraus. In Windeseile zog sie sich um. Sie streifte die weiße Bluse und den dunkelroten Rock über, streifte die weißen Rüschensöckchen über ihre nackten Füße, zog die lackglänzenden Halbschuhe an und schlüpfte in ihre ultramarinblaue Jacke. Nach draußen! Sie durfte hinaus!
Augenblicklich waren alle Angst und aller Schmerz vergessen. Lena war ganz aus dem Häuschen. Sie durfte mit hinausgehen! Sie nahm ihre kleine Haarbürste und bürstete sich vorm Ankleidespiegel die Haare. Das Herz schlug ihr vor Aufregung. Sie durfte hinaus! Im Spiegel konnte sie sehen, dass ihre Wangen vor Freude ganz rot waren.

Fortsetzung folgt


Offline Profil
BeitragVerfasst: 22. Mär 2007, 01:42
BenutzeravatarBeiträge: 798Registriert: 13. Sep 2004, 09:43
Jetzt wäre die Gelegenheit für den Helden.^^
Bestimmt kennt der sich auch mit den Implantaten aus und kann sie entfernen!

mfg gl4e



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Uncommon beauty isn't seen by common people. (nach Walter in "The Woodsman")
Offline Profil
BeitragVerfasst: 27. Mär 2007, 00:20
BenutzeravatarBeiträge: 2228Wohnort: Baden-WürttembergRegistriert: 22. Aug 2005, 19:12
.

Die Geschichte ist ja fast nur traurig auch wenn dieses Kapitel
einigermaßen gut endet.
Kann es sein das du Christin bist? In beiden der ersten Kapiteln
kommt diese Thematik vor.

Was ich schlimm finde ist das es jede Menge Kinder
auf dieser Welt gibt denen es tatsächlich so schelcht geht.

.



_________________
Besucht doch auch mal
www.psychologieforum.de

www.allround-forum.net

http://www.dark-village.de/
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BeitragVerfasst: 29. Jul 2008, 02:34
BenutzeravatarBeiträge: 878Wohnort: Hotel Mama in HessenRegistriert: 12. Mai 2007, 00:23
So ich bin auch durch das 2. durch.
Es bleibt spannend :lol:
Na hoffentlich kommt es nicht irgendwann soweit, dass sowas realität wird..


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