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<  Kreativ  ~  Klonmädchen Lena - 3.Kapitel

BeitragVerfasst: 22. Mär 2007, 18:20
BenutzeravatarBeiträge: 180Registriert: 12. Mär 2007, 14:08
Klonmädchen Lena 3.Kapitel:

„Bist du endlich fertig?“ raunzte König.
„Ja“, antwortete Lena leise, bemüht ihn nicht wütend zu machen. Oh lieber Gott, das hielte ich nicht aus, wenn er mich nun doch nicht mitnimmt, bloß weil er sauer auf mich wird.
Ganz brav stand sie da und wartete auf seine Anweisungen. Er hatte sich andere Sachen angezogen und sogar ein wenig Rasierwasser benutzt. Lena mochte den herbsüßen Geruch des Duftwassers. Damit roch König viel besser als mit Bierfahne. Dann öffnete er die Wohnungstür und schaltete Lena auf dem Terminal frei. Nun konnte sie passieren, ohne Alarm auszulösen und demobilisiert zu werden. Sie rasten im Expresslift nach unten. Wie immer wurde es Lena schwummerig, als der Fahrstuhl abbremste, aber sie mochte das Gefühl. Es fühlte sich an wie Schweben und schweben tat sie, weil sie nach draußen durfte. Beim Verlassen des Gebäudes spürte sie das bekannte leichte Zwicken in ihren Knochen, als die Biosensoren des Hauses sie abtasteten und ihren Code lasen. Sie durfte vorbeilaufen. Das ÜWa-System hielt sie nicht auf. Frei!
Innerlich jubelte Lena laut auf. Draußen schien die Sonne und dicke, weiße Wolken segelten über einen herrlich blauen Himmel dahin, der so hoch war, dass man nicht erkennen konnte, wo er endete. König ging mit Lena über den breiten Bürgersteig in Richtung City. Sie liefen an riesigen, hohen Wohneinheiten vorbei. Dazwischen wuchsen Bäume und Gebüsche und da waren Wiesen, wo die Menschen sich aufhalten und ein bisschen Natur genießen konnten. Ganz unten im Erdgeschoss hatten die Wohneinheiten viele Geschäfte, wo man alles kaufen konnte. Es wimmelte und wuselte nur so vor lauter Menschen und Klonen. Wenn man nicht genau hinschaute, fiel einem kein Unterschied auf. Bloß die Klonmarke im Ohr zeigte allen, ob jemand ein echter Mensch war oder ein Klon.
Lena schaute sich schier die Augen aus dem Kopf. Alles saugte sie in sich auf mit einer fiebrigen Freude. Sie konnte gar nicht genug schauen. Es war, als ob sie mit den Augen geistigen Nektar trank. Viele Tage lang würde sie an den Erinnerungen des Spaziergangs im Draußen zehren und sich an jedes noch so kleine Detail erinnern: an einen alten Mann, der auf einer Bank saß und eine altmodische, auf Papier gedruckte Zeitung las und ihr im Vorbeigehen freundlich zunickte, als wäre sie ein Mensch, an die dralle Verkäuferin im Konditoreistand, die mit breitem Lächeln die Leute bediente, an einen superniedlichen kleinen Hund, der neben einer sichtlich wohlhabenden Dame herlief, an die bunten Blumen auf der Wiese zwischen zwei Wohneinheiten, an tschilpende Spatzen, die überall herumflogen und sich zwitschernd über Brotkrümel hermachten, die Kinder ihnen auf den Bürgersteig warfen. Ach es gab so viel zu schauen und zu erleben für Lena. Sie war ja immer eingesperrt, da war jeder kleine Ausflug ins Draußen wie ein Spaziergang im Paradies für sie.
König blieb vor der Auslage eines Geschäfts stehen, in dem es Speicherplatten mit Filmen drauf gab. Es waren altmodische Dinger, die in Geräten abgespielt wurden, die es heute kaum noch gab. Auf jeder Speicherplatte waren ganz viele Filme und Dokus und sie waren total billig.
„Was kostet ein Abspielgerät?“ wollte König wissen.
„Ich zeige ihnen gerne einige“, bot der Verkäufer höflich an. Er holte die Dinger und erklärte König, wie sie funktionierten und was sie kosteten.
Lena stand für eine Weile allein mitten auf dem Bürgersteig. Eine Familie kam vorbei, eine Mutter, ein Vater und ein Kind. Erst als es vor ihr stehen blieb, erkannte Lena, dass es kein echtes Kind war, sondern eine Lena wie sie, bloß mit hellblonden Haaren und wasserblauen Augen. Die Haare waren zu Zöpfen geflochten und obendrauf trug sie einen Hahnenkamm.
„Hallo, ich bin Radegund“, sprach das Mädchen Lena an. „Und wie heißt du?“ Ihre Besitzer standen nicht weit entfernt und schauten sich Kleider an, die an Drehständern aufgehängt waren.
„Lena“, erwiderte Lena scheu. Sie blickte sich vorsichtig um. König konnte es nicht leiden, wenn sie mit jemandem sprach, wenn er sie mit nach draußen nahm, aber das Mädchen war ja ein Klon. Das konnte doch nicht schlimm sein.
„Hast du auch Eltern bekommen?“ fragte Radegund neugierig. Sie zeigte auf ihre Besitzer: „Das sind meine Eltern. Sie haben mich adoptiert, weil sie können keine eigenen Kinder kriegen und sie sind wie echte Eltern zu mir. Sie haben mich lieb und meine Mutti schenkt mir so viele Sachen, und sie macht mir jeden Tag einen neue Frisur, und sie drückt mich und gibt mir Küsse.“ Das Mädchen sprudelte begeistert alles heraus. Es war seit drei Monaten bei ihrer Familie und wurde geliebt wie ein Mensch. Lena beneidete sie glühend, aber sie war nicht neidisch auf Radegund. Sie gönnte ihr das Glück und freute sich mit ihr. Später zuhause würde sie über Radegunds Freude und Glück nachdenken und ein wenig davon selber empfinden, ein kleiner Trost in ihrem grauen und grausamen Alltag.
Lena schaute sich rasch um, ob König sie nicht beobachtete. „Mein Besitzer ist leider nicht lieb zu mir“, sagte sie leise. „Nicht jeder Klon hat Glück im Leben.“
Radegund war ganz Bedauern: „Du Armes. Das tut mir leid. Bestimmt wirst du bloß als Putzklon gehalten und musst dich um den Haushalt kümmern. Wirst du nie umarmt?“
Lena schüttelte den Kopf. Da umarmte Radegund sie ganz fest und flüsterte ihr ins Ohr: „Ich mag dich. Denk immer daran.“ Dann ließ sie Lena los und folgte ihren Eltern, die weitergingen. Lena stand da wie verzaubert. Noch nie hatte jemand sie umarmt. Was für ein schönes Gefühl. Die feinen Härchen auf ihren Armen hatten sich aufgestellt und ihre Haut schien sanft zu vibrieren. Ihr Herz schlug plötzlich schneller und ein leises Seufzen flog über ihre Lippen. Sie hatte gerade das schönste Erlebnis ihres Lebens gehabt. An Radegunds Umarmung würde sie noch in vielen Monaten denken bis zu dem Moment, in dem sie in die Totalregenerierung ging. Aber das war noch nicht alles. Lena konnte es nicht wissen, aber ihr standen noch weitere Wunder bevor.
Zuerst aber kam König zurück und stieß sie an: „Weiter. Träum nicht rum.“
Sie liefen weiter in die City und König sprach gutgelaunt davon, sich eines der altmodischen Abspielgeräte zu kaufen. „Dann kann ich mir Pornos reinziehen soviel ich will. Wenn ich im Tivi mehr als zwei heiße Filmchen die Woche abrufe, bekomme ich ja gleich einen Termin beim Psy-Med. Diese Arschlöcher! Denen wisch ich eins aus. Kostet nicht viel und auf einer Speicherplatte ist Unterhaltung für Stunden. Das Geilste ist, ich kann auch aus dem Tivi aufnehmen, ohne dass es irgendwo registriert und gespeichert wird.“ So brabbelte er vor sich hin und Lena war froh, dass er gutgelaunt war, weil sie dann keine Angst vor ihm haben musste.
Sie sah Müttern nach, die ihre Babys in Kinderwagen vor sich herschoben, Joggern, die über die schmalen Wege durch die Grünanlagen liefen, Kindern die auf der Wiese spielten und Autocars, die auf der Straßen fuhren und deren Wasserstoffantriebe leise fauchten und blubberten. Je näher sie der Innenstadt kamen, desto kleiner wurden die Wohneinheiten. Sie waren zwar breit aber nicht so hoch. Aus dem Tivi wusste Lena, dass die Wohneinheiten für wohlhabende Menschen von oben wie ein quadratischer Bagel aussahen und innen einen Hof hatten mit einem eigenen Grünpark für die Bewohner. Alle Wohnungen hatten Fenster und manche sogar einen Balkon. Was für ein Gefühl musste das sein, auf einem Balkon zu sitzen und unten dem Leben zuzuschauen. Lena schwelgte in einer herrlichen Phantasie, in der sie in so einer Wohnung als Putzklon lebte und von ihrer Familie genauso lieb behandelt wurde wie Radegund, das Adoptivklonmädchen, das sie umarmt hatte.
In der City reihte sich ein Geschäft ans andere und überall gab es Stände, wo man Essen kaufen konnte. Lena wurde irre von den guten Gerüchen. Es gab Bratwürste und Pommes Frites und frische, dampfende Waffeln mit Puderzucker. Man konnte ofenfrischen Bretzeln kaufen und kleine Pizzas oder Reis mit Gemüse und Fleischstückchen in kleinen Pappbechern. Lena wusste, dass sie niemals eine solche Köstlichkeit bekommen würde, aber allein die wundervollen Düfte zu kosten, bereitete ihr schon Freude. Ihr Herz sang vor Glück, weil sie draußen war.
„Bleib stehen, ich muss mal“, sagte König und ging in eine öffentliche Toilette. Lena blieb draußen stehen und wartete brav. Sie schaute sich um und saugte alles in sich hinein.
Plötzlich packte jemand sie am Arm. Lena schaute in die Augen einer dunkelhaarigen Frau in der groben Arbeitskleidung der städtischen Straßenreinigung. An ihrem linken Ohr trug sie eine Klonmarke. Die Frau schaute Lena eindringlich an.
„Es gibt Menschen, die für uns eintreten!“ flüsterte sie hektisch. „Es läuft täglich im Nonclone-Tivi. Sag es allen! Die Klonschützer existieren! Sie treten für uns ein und wollen, dass wir Rechte erhalten. Sag es heimlich allen Klonen, die du triffst! Säe Hoffnung! Schenke Trost! Hilf mit! Sie wollen uns befreien! Wirklich Lena10! Schenke auch du Hoffnung!“ Die Frau ließ Lena los und lief weiter, als wäre nichts gewesen.
Lena stand da wie erschlagen. Nur langsam drangen die Worte der Frau in ihr Bewusstsein vor. Konnte das wahr sein? Gab es wirklich Menschen, die für die rechtlosen Klone eintraten? Was für eine Vorstellung! Das war das zweite Wunder, das sie an diesem Tag erleben durfte. Klonschützer. Bedeutete das, dass man Lena irgendwann von König befreien würde? Allein der Gedanke war so ungeheuerlich, dass sich Lenas Magen zusammenzog.
Eine harte Ohrfeige holte sie unbarmherzig in die Realität zurück. „Wie oft habe ich dir gesagt, du sollst nicht mit anderen Leuten quatschen!“ fauchte König. Er schaute sie wütend an. „Kannst du nicht hören, wenn man dir was sagt?“ Wieder schlug er sie ins Gesicht, fester diesmal.
„Sie hat mich gepackt“, erwiderte Lena unterwürfig. „Ich konnte nichts dafür. Sie hat mit mir geschimpft und gesagt, man darf kein Bonbonpapier auf den Bürgersteig werfen, das ist unsoziales Benehmen. Dann hat sie gemerkt, dass sie die Falsche angesprochen hat und ist fort gegangen.“ Sie wusste nicht, woher sie so schnell diese Ausrede genommen hatte, aber sie schien zu funktionieren.
Und da geschah das dritte Wunder des Tages. Ein Mann schaute zu ihr hin, ein Mensch. Er war großgewachsen und dunkelhaarig und hatte ein freundliches Gesicht. Er sah Lena direkt in die Augen und lächelte ihr tröstend zu. Hastig schaute Lena sich um. Nein, außer ihr war sonst niemand da, dem der Mann zulächeln konnte. Er meinte sie. Pure Güte stand in seinen blaugrauen Augen. Ein solcher Trost ging von dem Mann aus, dass es Lena ganz warm ums Herz wurde. Es haute sie schlicht um. König musste sie schütteln, dass sie wieder zu sich kam.
Später am Abend verprügelte er sie wieder einmal, aber nicht so schlimm. Er schlug nur zu, bis sie aufschrie und anfing zu weinen. Dann schmiss er sie in ihre dunkle Kammer und schloss sie ein. Im Dunkeln rollte sich Lena auf ihrer dünnen Decke zusammen und dachte immerzu an die drei Wunder, die sie erlebt hatte: an die liebevolle Umarmung Radegunds, an die ungeheuerlichen Worte der Klonfrau von der Stadtreinigung und an das gütige, tröstliche Lächeln des dunkelhaarigen Mannes.
Zum ersten Mal in ihrem Leben schlief Lena mit Hoffung im Herzen ein.

Fortsetzung folgt


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BeitragVerfasst: 22. Mär 2007, 21:52
BenutzeravatarBeiträge: 154Registriert: 26. Feb 2007, 17:44
Die Geschichte ist bis hier hin wirklich total gut. Bin schon gespannt wie es weitergeht.



_________________
Kennst Du Wayne? Wayne interessierts.
Offline Profil
BeitragVerfasst: 27. Mär 2007, 00:40
BenutzeravatarBeiträge: 2228Wohnort: Baden-WürttembergRegistriert: 22. Aug 2005, 19:12
.

Die Begegnung zwischen Lena und Radegung hat mich sehr
gerührt ich mußte mir eine Träne verkneifen.
Wer dieseer freundlich lächelnde Mann wohl ist.^^

.



_________________
Besucht doch auch mal
www.psychologieforum.de

www.allround-forum.net

http://www.dark-village.de/
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BeitragVerfasst: 1. Apr 2007, 18:18
Beiträge: 8Registriert: 1. Apr 2007, 17:57
Ich kann es kaum glauben. Sogar die Adoption hast du mit verarbeitet!
Deine Geschichte ist unglaublich!


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BeitragVerfasst: 1. Apr 2007, 18:19
BenutzeravatarBeiträge: 3086Registriert: 22. Aug 2006, 16:00
Hallo wäre nett wenn du dich mal vorstellen würdest
Klick Hier


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BeitragVerfasst: 1. Apr 2007, 20:45
Beiträge: 8Registriert: 1. Apr 2007, 17:57
fanningfan hat geschrieben:
Hallo wäre nett wenn du dich mal vorstellen würdest
http://rgbl.zapto.org/glf/viewforum.php?f=2

Glaube nicht, dass ich das tun werde. Danke.


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BeitragVerfasst: 2. Apr 2007, 06:30
BenutzeravatarBeiträge: 3086Registriert: 22. Aug 2006, 16:00
Wir damit meine ich auch die anderen Mögen aber keine Leute die einfach so in unseres Forum kommen und hier so unaufgefordert und unfreundlich rumposten..


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BeitragVerfasst: 30. Jul 2008, 01:31
BenutzeravatarBeiträge: 878Wohnort: Hotel Mama in HessenRegistriert: 12. Mai 2007, 00:23
Ich find die geschichte bis hier schonmal ganz gut.
Edit: Da scheint irgend ein darstellungsfehler im Forum zu sein.


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