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<  Kreativ  ~  Klonmädchen Lena - 9.Kapitel

BeitragVerfasst: 28. Mär 2007, 11:22
BenutzeravatarBeiträge: 180Registriert: 12. Mär 2007, 14:08
Klonmädchen Lena 9.Kapitel:

Lena machte sich daran, die Wohnung auf Vordermann zu bringen. Obwohl ihr der Arm noch wehtat, putzte sie alles auf Hochglanz. Dabei geschah das zweite Wunder. Gerade als sie den Türrahmen am Eingang zum Wohnzimmer feucht abwischte, stieß sie mit dem gebrochenen Arm dagegen. „Au!“ rief sie und Tränen schossen ihr in die Augen.
„Klon sofort zum Terminal!“ rief der Hauscomputer.
Lena schluckte. Was sollte das bedeuten?
„Klon sofort zum Terminal!“ wiederholte das Terminal.
Lena folgte dem Befehl zögerlich. Langsam tapste sie auf nackten Sohlen durch die Wohnung zum Terminal an der Ausgangstür. Sie hielt ihren schmerzenden Arm. Kaum stand sie vor der Computereinheit, flippte ein mechanischer Arm heraus und fuhr surrend über ihren Arm. Vorne dran befand sich ein Sucher. Fiepend und klickernd untersuchte das Ding Lenas Arm.
„Kürzlich erfolgte Fraktur“, sprach das Terminal. „Verletzung nicht vollständig ausgeheilt, starker Schmerzzustand. Injiziere Schmerzmittel und Heilungsbeschleuniger Alpha-KD3.“ Aus dem Suchkopf des mechanischen Armes kam ein spitzes Ding hervor. Der Arm surrte über die Stelle von Lenas Arm, unter der der Knochen gebrochen gewesen war und berührte die Haut. Es machte leise Pfff! Lena spürte nichts von der Injektion, doch plötzlich verschwand der dumpf bohrende Schmerz aus ihrem Knochen. Vor Erleichterung stieß sie ein Seufzen aus.
„Danke“, hauchte sie.
„Klon unterbricht Arbeit, bis zur vollen Ausheilung der Fraktur. Arbeiten erst morgen fortsetzen“, ordnete das Terminal an. Der mechanische Arm fuhr zurück. Es blitzte, als die Leseeinheit Lenas Iris kontrollierte. „Klon hat Artikel 16 seiner Bedienungsanleitung noch nicht befolgt“, quäkte der Computer und rasselte den entsprechenden Abschnitt herunter: „KLONAR empfiehlt Ihnen dringend, ihren Klon wenigstens einmal täglich für mindestens eine Stunde ins Freie zu lassen. Das natürliche Tageslicht ist der Bildung von Vitamin D in der Haut zuträglich und verbessert den Allgemeinzustand ihres Klons. Es bewirkt auch eine Verbesserung der seelischen Balance.“ So ging es weiter, blabla. Zum Schluss verlangte das Terminal von Lena, dass sie sich umzog und raus ging.
Lena stand da wie Lots Weib, total erstarrt. Konnte das wahr sein?
„Ich soll raus?“ piepste sie ungläubig.
Das Terminal wiederholte seinen Sermon aufs Neue. „Tageszeit weit vorgeschritten. Wenn Klon genügend Tageslicht empfangen will, muss er in den folgenden 20 Minuten nach draußen“, sagte die Computerstimme danach. „Ausgehfertig machen, Klon!“
Mit einem freudigen Aufschrei stürmte Lena in ihre Kammer und zog sich ihre feinen Sachen an. Ihr kleines Herz bubberte wild vor Aufregung. Hinaus! Oh ja!
Als sie fertig war, stellte sie sich vors Terminal: „Klon Lena10c bereit.“
Das Terminal piepte leise und entriegelte die Wohnungstür. „Achtung Klon! Mindestens eine Stunden im Tageslicht verbringen“, forderte die Computerstimme. „In den folgenden Tagen ist vom Klon selbstständig darauf zu achten, früh genug nach draußen zu gehen.“ Obwohl es eine elektronische Stimme war, klang es beinahe tadelnd.
„Und wenn ich nicht zurückfinde?“ fragte Lena.
„Klon sucht bei Orientierungsverlust sofort das nächste öffentliche ÜWa-Terminal auf und holt sich Anweisungen“, sagte der Computer.
Auf dem Weg nach unten juchzte Lena glücklich. Sie MUSSTE jeden Tag hinaus! Welch herrliche Vorstellung!
Draußen schien die Sonne. Sie stand tief, viel tiefer als Lena es kannte, aber es war noch warm und das schräg einfallende Licht ließ alle Farben warm aufglühen. Lena lief wie im Rausch durch die Straßen. Wie üblich saugte sie alles in sich auf, speicherte sie jedes Fitzelchen an Information in ihrem kleinen Kopf. Die warmen Farben machten sie ganz verrückt. Sie war trunken vor Glück. An einem öffentlichen Wasserspender trank sie sich satt, ohne Angst haben zu müssen, dass König sie anraunzte. Sie schaute den Leuten zu, die durch die Straßen flanierten und ihre Besorgungen machten oder einfach ein wenig Feierabendmüßiggang genossen. Auf einem Wiesenstück picknickte eine Familie mit zwei Kindern. Sie hatten eine Decke auf dem Boden ausgebreitet und saßen darauf und futterten mitgebrachte Kuchenkringel. Lena blieb stehen und freute sich an der kleinen Idylle inmitten des Trubels der Stadt. Das größere der Kinder, ein Mädchen von 8 Jahren trug seltsame Schuhe, wie Lena sie noch nie gesehen hatte. Es waren eigentlich nur Sohlen, auf denen das Mädchen barfuss stand und oben drüber führten dünne Riemchen, die den Fuß auf dieser Sohle festhielten. Die Schuhe waren rot. Die Farbe gefiel Lena. Das musste ein sehr angenehmer Schuh für den Sommer sein. Wie der wohl genannt wurde? Das Mädchen öffnete die Schnallen der seltsamen Schuhe und lief barfuss über das Gras.
Lena schaute eine Weile neugierig zu. Dem Mädchen schien es zu gefallen, ohne Schuhe durchs Gras zu laufen. Lena biss sich auf die Unterlippe. Ob ich auch mal …? Sie zögerte und dachte fieberhaft nach. Würde sie Probleme bekommen, wenn sie es dem Menschenmädchen gleichtat? Aber wieso? Die Prozedur schien für das Kind sehr angenehm zu sein und im weichen Gras drohte keine Verletzungsgefahr.
Mit klopfendem Herzen bückte sich Lena und knotete ihre Halbschuhe auf. Sie zog die Schuhe und Socken aus und stand zum ersten Mal in ihrem Leben barfuss im Draußen. Der Asphalt des Bürgersteigs fühlte sich warm und kratzig an. Lena machte einen beherzten Schritt nach vorne und betrat das Gras. Sie stieß einen überraschten Laut aus. Zuhause in Königs Wohnung war der Boden aus Kunststoff, hart und glatt. Der Boden unter dem Gras war weich und federnd und uneben und das Gras kitzelte sich an den Fußsohlen. Es war ein unheimlich intensives Gefühl. Langsam schritt Lena über die Wiese. Sie setzte die Füße sehr vorsichtig auf. Dann ließ sie sie schleifen und fühlte, wie die Grashalme zwischen ihren Zehen kitzelten.
„Gell, barfuss ist schön?“ Lena erschrak. Das Mädchen stand neben ihr und lächelte zu ihr auf. „Ich geh total gerne barfuss. Meine Mutter sagt, dass ist sehr gesund.“
„Ja, es ist schön“, sagte Lena leise.
„Anette? Kommst du?“ rief die Mutter des Mädchens.
„Ja Mutti“, antwortete Anette. Sie kramte in ihrer Tasche und holte ein kleines in durchsichtiges Zellophan eingewickeltes Dingelchen heraus. Sie reichte es Lena: „Da für dich. Ein Bonbon. Mit Himbeergeschmack.“ Sie lächelte Lena zu und rannte davon.
„Danke“, sagte Lena. Sie lief weiter über die Wiese. Im Gehen wickelte sie das Bonbon aus und steckte es in den Mund. Sie kannte es aus der Werbung im Tivi. Man musste es lutschten, nicht kauen.
Doch nichts hatte sie auf dieses Erlebnis vorbereitet. In ihrem Mund fand eine Explosion von süßem, fruchtigem Geschmack statt. Lena musste stehen bleiben, so umwerfend war das Erlebnis. Es war einfach herrlich. Dann lief sie weiter, lutschte an ihrem Himbeerbonbon und genoss das Gefühl der sonnengewärmten Wiese unter ihren nackten Fußsohlen. Sie schlenderte eine Stunde lang über das Gras, immer hin und her. Das Bonbon war nach 10 Minuten aufgelutscht, aber sie behielt den Geschmack im Mund bis sie wieder zuhause war. Natürlich hatte sie ihre Schuhe und Socken wieder angezogen. Die Begegnung mit der freundlichen Anette und das Bonbon waren das dritte Wunder dieses Tages.
Und weil es so schön war, sprach Lena unterwegs noch schnell zwei Klone an und verkündete ihnen die frohe Botschaft von den Klonschützern und schenkte ihnen Hoffnung.
Vorm Wohnungsterminal wartete sie, ob sie einen Anschiss kriegen würde, weil sie barfuss gelaufen war, aber der Computer sagte nur, dass sie 1 Stunde und 34 Minuten Tageslicht abbekommen habe und servierte ihr dann das vierte Wunder an diesem Tag: „Im Kühlschrank befinden sich Lebensmittel mit ablaufendem Haltbarkeitsdatum. Klon hat diese Lebensmittel zum Selbsterhalt zu verzehren. Instkarb und Simpelprot dürfen nur als Nahrungszusatz benutzt werden. Aufzehrung der gekühlten Vorräte sind vorrangig. Da Rückkehr des Wohnungsinhabers jederzeit möglich, werden die Vorräte vom Hausdienst automatisch wieder aufgestockt. Klon hat diese Vorräte aufzuzehren, solange der Wohnungsinhaber nicht anwesend!“
Lena verschlug es die Sprache. Sie sollte all die Köstlichkeiten essen, die König sonst aß? Das ließ sie sich nicht zweimal sagen. Sie zog sich in ihrer Kammer um. Dann machte sie sich in der Küche zwei Spiegeleier mit Schinken und nahm sich eine Flasche Zitronenlimonade aus dem Kühlschrank. Mit ihrer Beute begab sie sich ins Wohnzimmer, schaltete das Tivi ein und wählte einen Nonclonesender. Während sie die verbotene Sendung anschaute, futterte sie mit Behagen die Eier und trank ihre Limo dazu. So etwas Gutes hatte sie noch zu essen gehabt. Es schmeckte himmlisch. Sie wusste, dass die folgenden Tage die schönsten in ihrem Leben werden würden. 5 Tage hatte sie mindestens, vielleicht sogar 10. Lena war überglücklich.

Fortsetzung folgt


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BeitragVerfasst: 28. Mär 2007, 11:59
BenutzeravatarBeiträge: 2172Wohnort: ThüringenRegistriert: 16. Jul 2006, 17:59
Das ist so schön.
Deine Geschichte ist so wahnsinnig gut geschrieben, dass man sich richtig in Lena hineinversetzen kann. Ich fange schon an mit ihr zu leiden und, in diesem Kapitel, mich mit ihr zu freuen.

Großartig.

Kann die nächsten Kapitel kaum abwarten.



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If I had a world on my own, everything would bei nonsense.
Offline Profil ICQ
BeitragVerfasst: 28. Mär 2007, 17:21
BenutzeravatarBeiträge: 2228Wohnort: Baden-WürttembergRegistriert: 22. Aug 2005, 19:12
.

Da muß ich Zhunami zustimmen, man
empfindet richtig nach wie es ihr geht so gut ist es von dir
erzählt.
Ich freue mich richtig das es ihr zumindest jetzt gut geht.

.



_________________
Besucht doch auch mal
www.psychologieforum.de

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BeitragVerfasst: 2. Aug 2008, 23:22
Beiträge: 20Registriert: 12. Mai 2008, 09:06
Die Szene mit dem Bonbon fand ich einfach rührend


Offline Profil
BeitragVerfasst: 3. Aug 2008, 00:36
BenutzeravatarBeiträge: 878Wohnort: Hotel Mama in HessenRegistriert: 12. Mai 2007, 00:23
Ja einfach eine klasse geschichte!


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