Autor Nachricht

<  Kreativ  ~  Klonmädchen Lena - 11.Kapitel

BeitragVerfasst: 29. Mär 2007, 17:43
BenutzeravatarBeiträge: 180Registriert: 12. Mär 2007, 14:08
Klonmädchen Lena 11.Kapitel:

Auch wenn sie Christoph nicht mehr treffen konnte, wurden die folgenden Tage noch einmal die schönsten in Lenas Leben. Sie genoss jede einzelne Stunde in der Freiheit. Jeden Tag probierte sie eine neue Eissorte aus, und einmal fuhr sie mit der Magnetbahn. Wenn sie Lust hatte, kaufte sie sich an einem der vielen Kioske in der City süße Krapfen und andere Köstlichkeiten. Sie sprach viele Klone an und verbreitete die frohe Botschaft von den Klonschützern. Sie lief barfuss im Park, und sie dachte an Christoph.
Vielleicht sehe ich ihn noch ein Mal, bevor König aus dem Gesundheitscenter kommt, dachte sie sehnsüchtig.
In der Wohnung sorgte sie täglich für Ordnung und Sauberkeit und sie aß mit Behagen, was der Kühlschrank hergab. Und sie schaute täglich Nonclone-Tivi. Immer häufiger kamen Meldungen über die Klonschützer. Es ging auf die nächsten Wahlen zu und sie machten mächtig Werbung in der Öffentlichkeit. Eines Abends sah Lena eine Dokumentation, in der Leute auf der Straße über Rechte für Klone interviewt wurden. Sie war erschrocken und zutiefst betroffen, wie viele Menschen gegen solche Rechte waren.
„Menschenrechte für Klone?“ fragte ein Mann ungläubig. „Für künstlich gezüchtetes Fleisch? Und demnächst vielleicht auch Geräterechte für meinen Haushaltsroboter, was?! Nur noch 2 Stunden Staubsaugen täglich und sonntags frei?! Diese Klonschützer sind doch bescheuert!“
„Klone schützen? Wozu?! Das ist laut Gesetz Sachbesitz.“
Einer wollte besonders witzig sein: „Ich bin von der Möbelschützerpartei. Wir setzen uns dafür ein, dass keine Werkstoffe mehr auf grausame Weise zersägt werden dürfen, um daraus Möbel zu machen. Schließlich hat Plastik ja auch Gefühle! Hahaha!“
Ein Reporter sprach eine ältere Dame auf der Straße an: „Hallo, sind Sie dafür, dass Klone Menschenrechte erhalten?“
„Absolut nicht“, antwortete die Frau.
„Aber sie sind menschlich, und sie werden nur allzu oft unmenschlich behandelt“, hielt der Reporter dagegen.
„Klone sind keine Menschen“, beharrte die Dame. „Wir haben sie künstlich erschaffen. Aus irgendwelchen Zellen.“
„Sie empfinden Schmerz und Seelenleid genau wie wir, denn sie sind nach unserem Vorbild erschaffen“, sprach der Reporter.
„Das sind seelenlose Dinge“, sagte die Frau herrisch. „Die fühlen überhaupt nichts!“
Das Bild wechselte und man sah den Eingang zu einem Firmengebäude. „Die fühlen überhaupt nichts?!“ fragte die Stimme eines Kommentators im Hintergrund. „Dies ist die Forschungszentrale von MEYEN, einem der bekanntesten Herstelle von Medikamenten. Hier wird die Wirkung von Medikamenten an Klonen getestet. Ist Ihnen, verehrte Zuschauer, beim Haarewaschen schon einmal ein Tropfen Shampoo ins Auge geraten? Hat es gebrannt? Sehr? Nur ein wenig? Nun, das liegt an der Forschung von MEYEN.“
Das Bild wechselte. Man sah das Gesicht einer Klonfrau in Großaufnahme. Ihr Kopf war in einer seltsamen Apparatur fixiert, so dass sie ihn nicht einen Millimeter bewegen konnte. Spezielle Drahtklemmen hielten ihre Augen gewaltsam geöffnet. Nackte Furcht stand in den Augen der Frau.
„Hier sehen wir, wie bei MEYEN die Augenverträglichkeit neuer Shampoos und Seifen getestet wird“, verkündete der Sprecher.
Eine Tropfpipette kam ins Bild und träufelte der wehrlosen Klonfrau etwas ins rechte Auge. Sie zuckte zusammen und schrie laut auf.
Schnitt. Ein Techniker trug etwas in sein Klemmbrett ein: „Unangenehme Wirkung aufs Auge. Befund: Stark reizend.“
Schnitt. Auge in Großaufnahme, brandig und rot und verschwollen.
Lena schaute mit aufgerissenen Augen auf den Tivibildschirm. Sie war entsetzt. Diesen Klonen ging es ja noch schlechter als ihr selber.
„So werden täglich rechtlose Klone für Medikamententests benutzt“, erklärte der Sprecher. Das Bild wechselte. „Und hier werden Schmerzmittel und ihre Dosierung getestet. Schmerzmittel sind nötig, aber sie sind in zu hoher Dosierung schädlich. Also möchte man wissen, wie viel man davon braucht, um zum Beispiel den Schmerz bei einem Knochenbruch zu lindern. Dazu nimmt man rechtlose Klone, die sich nicht wehren können und dürfen.“
Eine kleine Lena10e wurde von zwei Männern in weißen Kitteln ins Bild geführt. Sie war nackt und schaute voller Angst in die Kameralinse. Ihr Blick war ein einziges, wortloses Flehen.
„Diese Lena10 hat noch nie in ihrem Leben Kleider getragen“, kommentierte der Sprecher. „Wozu auch? Sie kommt ins Labor, wird an die Messapparate angeschlossen, macht den Test und wird dann zur Selbstheilung vier Tage in ihre Kammer gebracht. Dann erfolgt der nächste Test. Dieses Mädchen war noch nie in seinem Leben draußen. Es hat noch nie den blauen Himmel mit eigenen Augen gesehen. Es ist immer im Labor eingesperrt.“
Die kleine Lena10e wurde nackt auf eine Art Stuhl geschnallt und am Kopf mit Elektroden gespickt. Ein Robotergreifarm wurde über ihrem linken Knie in Position gebracht. Großaufnahme des Gesichts des Klonmädchens. Nackte Angst stand in seinen Augen. Es weinte. „Sie ist stumm. Das Flehen hat sie längst aufgegeben in ihrem dreijährigen Leben“, erklärte der Sprecher. Das Klonmädchen weinte.
„Ihre Dosis Schmerzmittel neuester Art hat diese kleine hilflose Lena schon bekommen“, sagte der Sprecher. „Nun wollen die Forscher herausfinden, ob die Dosis hoch genug ist.“
Der Roboterarm packte das Knie des Mädchens und drückte zu. Es knackte, als Knochen brachen. Das Klonmädchen schrie gellend auf. „Offensichtlich war die Dosis zu niedrig gewählt“, sagte die Stimme des Kommentators. Auf einem Bildschirm erschienen Kurven, die die Schmerzstärke anzeigten. „Also wird man in vier Tagen den Test wiederholen. Mit minimal erhöhter Dosis. Bis man genau weiß, wie viel von dem neuen Medikament man braucht, um einem kleinen Mädchen das Bein zu brechen, ohne dass es vor Schmerzen schier umkommt.“
Die Szene wurde wiederholt. Krachen der berstenden Knochen. Das gellende Schreien des Kindes.
Schnitt zurück auf die ältere Dame: „Das sind seelenlose Dinge. Die fühlen überhaupt nichts.“
Schnitt auf eine andere Lena10, zitternd vor Angst. Das Mädchen sah erbarmungswürdig aus. Der Roboter brach ihr den Arm. Gellendes Aufschreien. „In vier Tagen muss sie wieder antreten“, kommentierte der Sprecher. „Und in weiteren vier Tagen noch einmal. Wieder und wieder, ihr ganzes Leben lang.“
Die ältere Dame: „Die fühlen überhaupt nichts.“
Eine Lena10 auf den Stuhl geschnallt. Sie weinte ohne Unterlass. Man erkannte die Angst in ihren Augen. Roboterarm schwenkte vor und brach ihr Knie. Das Mädchen schrie gellend auf.
„Die fühlen überhaupt nichts???“ fragte der Sprecher.
Das Bild wechselte. Eine Gruppe Klonschützer hatte einen tragbaren Tivischirm auf der Straße aufgebaut und zeigte die grausamen Szenen vorbeikommenden Passanten. Nun zeigten die Menschen zum ersten Mal eine gewisse Betroffenheit.
„Das ist ja unmenschlich“, sprach ein Mann kopfschüttelnd. „Das müsste verboten werden.“
„Schrecklich“, sagte eine junge Frau im Arm ihres Freundes. „Einfach scheußlich.“
„Ich werde die Klonschützer wählen“, erklärte ein Mann kategorisch. „So etwas darf nicht länger geschehen.“
Ein neues Bild wurde eingeblendet. In wechselnden Szenen sah man Klone in ihren Familien. Sie putzten die Wohnung, sie kochten für ihre Menschen, sie kümmerten sich liebevoll um Haustiere und Kinder, sie versorgten unermüdlich und geduldig alte, gebrechliche Menschen.
„Wir dürfen sie nicht länger als Sache ansehen“, sprach der Kommentator eindringlich. „Sie fühlen wie wir. Sie leiden wie wir. Sie empfinden Freude wie wir. Wir müssen ihnen Rechte geben. Wählen Sie die Klonschützer!“
Der Film war zu Ende.
Lena saß da wie erschlagen. Sie hatte die Knie angezogen, umschlang sie mit ihren mageren Armen und wiegte sich langsam vor und zurück. Von dem was auf dem Tivibildschirm ablief, bekam sie nichts mehr mit.
Sie leiden alle, dachte sie entsetzt. So viele leiden. Wir sind allein. Wir sind hilflos. Wir können nicht rebellieren. Wenn einer von uns aufstünde, er würde sofort von der ÜWa per Funkbefehl demobilisiert. Wir können nichts tun. Wir sind völlig wehrlos. Wir haben keine Rechte.
Aber die Klonschützer traten für sie ein!
Plötzlich musste Lena schrecklich weinen. Es gab Menschen dort draußen, sie sich um sie sorgten; Menschen die wollten, dass Klone Rechte erhielten. Menschen die verlangten, dass man Klone nicht mehr quälen durfte.
„Danke lieber Gott“ schluchzte Lena. „Danke, dass es diese Menschen gibt.“ Sie weinte lange. Sie konnte gar nicht mehr damit aufhören.
„Bitte lass es mich noch vor meinem Ablauf erleben“, bat sie unter Tränen. „Darf ich das noch erleben? Bitte lieber Gott. Lass es mir vor meiner Totalregenerierung noch erleben!“ Sie legte schluchzend den Kopf auf die angezogenen Knie. „Ich bin ja so allein!“
Eine Stunde später teilte ihr das Wohnungsterminal mit emotionsloser Stimme mit, das König am folgenden Morgen zurückkommen würde.

Fortsetzung folgt


Offline Profil
BeitragVerfasst: 29. Mär 2007, 17:52
BenutzeravatarBeiträge: 3086Registriert: 22. Aug 2006, 16:00
Oh mein.. gleich speichern und heute abend lesen.. Kurz dannach zur arbeit muss...


Offline Profil
BeitragVerfasst: 29. Mär 2007, 19:14
BenutzeravatarBeiträge: 947Wohnort: steht im TelefonbuchRegistriert: 22. Feb 2007, 20:49
He Prinzessin deine Geschichte ist echt toll geschrieben .
Ich hab jetzt alle Kapitel gelesen und ich finde du solltes es als Buch
veröfflichen und so mehr Menschen an deiner Geschichte teilhaben .

Ich dachte warum läuft sie nicht weg wo König jetzt im Krankenhaus
war . und bei diesen Kapitel mußte ich an die Tierversuche denken .



_________________
der Scheinheilige hat geschrieben

Mit den Augen der Kinder kann ich die Welt besser erkennen ( Comencil )

http://www.youtube.com/watch?v=v2Emdq--bRk

http://www.youtube.com/watch?v=g1EtCcb2NOI
Offline Profil
BeitragVerfasst: 29. Mär 2007, 19:23
BenutzeravatarBeiträge: 2228Wohnort: Baden-WürttembergRegistriert: 22. Aug 2005, 19:12
.

Deine Erzählung ist ja heftig, da zerreißt es einem ja fast
die Seele. Ich bin etwas empfindsamer als Andere und mir
kamen die Tränen, aber ich glaube diese Geschichte dürfte auch
so manch Anderen sehr bewegt haben.

Eine absolut grausame Vorstellung das fühlende Wesen für
Medikamentenversuche so mißbraucht werden.
Das gibt mir allerdings auch wieder zu denken da ja auch
Tiere Schmerz und Angst genauso empfinden können wie wir.

.



_________________
Besucht doch auch mal
www.psychologieforum.de

www.allround-forum.net

http://www.dark-village.de/
Offline Profil
BeitragVerfasst: 29. Mär 2007, 19:25
BenutzeravatarBeiträge: 180Registriert: 12. Mär 2007, 14:08
mona hat geschrieben:
Ich dachte warum läuft sie nicht weg wo König jetzt im Krankenhaus
war . .


Das steht in einem der ersten Kapitel: Sie hat Implantate im Innern ihrer Knochen und die allgegenwärtige Überwachung kann sie überall orten und demobilisieren.


Offline Profil
BeitragVerfasst: 1. Apr 2007, 18:44
Beiträge: 8Registriert: 1. Apr 2007, 17:57
Absolut dicht und lebendig erzählt, "Lena"! Du hast "Oma" immer zugehört, das merkt man. Unglaublich. Ich muss das sagen.


Offline Profil
BeitragVerfasst: 2. Aug 2008, 23:38
Beiträge: 20Registriert: 12. Mai 2008, 09:06
Das war mit Abstand der schrecklichste Teil! Weil man sieht, dass es überall so zugeht. OMG!
Was für eine Zukunftsperspektive! :cry:


Offline Profil
BeitragVerfasst: 3. Aug 2008, 17:57
BenutzeravatarBeiträge: 208Wohnort: BayernRegistriert: 12. Aug 2007, 22:56
@ Princessin

--´bin einfach nur sprachlos

Gruß
Ich bin´s



_________________
In Trauer um einen guten Freund.....
Offline Profil

Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach:

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde
Seite 1 von 1
8 Beiträge
Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast
Suche nach:
Ein neues Thema erstellen  Auf das Thema antworten
Gehe zu:  
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.
Girlloverforum Banner
Mache hier eine lange URL Kleiner . . .

Externe Links:
GLForum Alle Links

Annabelleigh Englisch

Seite zu deinen Favoriten hinzufügen:  IE Benutzer klicken Hier und Netscape, Firefox Benutzer drücken folgende Tasten CTRL+D

SPENDE FüR DAS GLF     Musik Video Wings of Angels (Templink)      

E-Mail Kontakt   Haftungsausschluss    Forumsnutzung-FAQ    Verhaltensregeln      25. April ist der Alice Day    Pädo FAQ