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BeitragVerfasst: 01.04.2010, 22:38 
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Rafiki (Berlinale 2010 / Sektion: Generation)
Originaltitel: Bestevenner
Trailer (No) http://www.youtube.com/watch?v=4N4K18H9gSs
Offizielle Filmseite: http://www.bestevenner.no/
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt1503710/

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Worum geht's?
Freundinnen für immer ist das Grundmotto des Films. Die drei Mädchen Julie (Live Marie Runde), Mette (Regine Stokkevåg Eide) und Naisha (Johanna Ado Girirpio) erwähnen diesen Spruch mehrfach im Film, stets geführt von dem Wort Rafiki. Sie leben in Norwegen und in den ersten Szenen sieht man die drei wie sie mit viel Spass und Freude das zu diesem Zeitpunkt verschneite Land mit ihrem Schlitten erobern.
Die Zeit für die heilige Lucia (Lichterfest zur Weihnachtszeit) steht in der Schule unmittelbar bevor. Nashia soll die heilige Lucia spielen und Julie, die sich sehr schwer tut vor der Klasse vor zu tragen, soll nach Wunsch der Lehrerin die Ansprache zum Weihnachtsfest halten. Bei einer Probe kommen sich die drei besten Freundinnen jedoch in die Haare, da Julie aus Wut vor ihren Klassenkameraden den Proberaum verlassen hat und ihre zwei Freundinnen, die ihr gefolgt sind, beschimpft und auch den Lichterkranz von Naisha zerstört hat.
Als Julie am Abend versucht den Lichterkranz wieder zu reparieren, hört sie eine lautstarke Diskussion ihrer Eltern mit und erfährt, dass Naisha und ihre Mutter aus dem Land verwiesen werden sollen. Da Julie's Vater bei der Polizei arbeitet, soll er die Familie am nächsten Morgen begleiten. Die Mutter bittet inständig, die eigene Tochter darüber zu informieren, doch es ist bereits zu spät. Julie kämpft sich durch die Dunkelheit zum Asylantenheim. Ihr Vater stellt das verschwinden seiner Tochter sehr schnell fest und folgt ihr zum selbigen Ort, doch beide finden nur einen leeren Raum vor.
Über einen kleinen "Umweg" gelangt Julie an eine Botschaft von Naisha mit der Information über den Aufenthaltsort der beiden Flüchtlinge, welcher sich in Oslo befindet. Als sie diese Botschaft zuhause liest, taucht ihr Vater im Zimmer auf und seinem geschulten Auge ist dies natürlich nicht entgangen. Er bringt seine Tochter dazu die Information aus zu händigen. Wenige Minuten später taucht ihre Freundin Mette im Zimmer auf und Julie erzählt von den Ereignissen und das sie ihrem Vater verraten musste wo die beiden sich derzeit aufhalten und das sie am frühen Morgen dort von der Polizei aufgesucht werden sollen.
Mette, die offensichtlich viel Freiraum von ihren Eltern bekommt und auch sonst der tatkräftige Part des Trios ist, recherchiert kurzerhand alle Infos wie die beiden nun am schnellsten nach Oslo kommen um die beiden Flüchtlinge zu warnen und natürlich um ihre beste Freundin wieder zu sehen. Ein Unterfangen das für die zwei 9 jährigen Mädchen nicht so einfach sein wird, erst recht nicht wenn der Vater ein Polizist ist.

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Meinung:
Für mich wurde dieser Film zum diesjährigen Berlinalehighlight. Ich habe schon sehr lange nicht mehr einen so ausgeklügelten Film gesehen der in keinem Moment eine Spur von Langeweile zeigt. Lediglich eine Szene mit einem verkleideten Weihnachtsmann fällt da etwas aus dem Rahmen, dennoch benötigt der Film diese kleine Exkursion um den Verlauf der Geschichte weiter zu helfen.
Auch wenn man bei einer Geschichte für Kinder davon ausgehen kann, dass am Ende alles gut ausgehen wird, so versteht sich der Film definitiv damit, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten und wartet auch mit einigen Überraschungen auf.
Erstaunlich finde ich auch, dass man mit der Abschiebung ein recht schweres Thema aufgegriffen hat für einen Kinderfilm. Dennoch brilliert der Film mit seiner einfachen Erklärung und den schönen Umgang... Sehr Kindgerecht aber auch nicht unspannend für die Begleitung.
Ich würde mich sehr freuen wenn dieser wertvolle Film seinen Weg in den regulären Spielbetrieb finden würde oder zumindest eine DVD Veröffentlichung zustande kommt. Der Film hat es einfach verdient.

Infos
Schauspielerin: Live Marie Runde, Regine Stokkevåg Eide, Johanna Ado Girirpio
Filmjahrgang: 2009
Laufzeit: 79 Min.
Produktionsland: Norwegen
PDF der Berlinale zum Film: http://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20103370.pdf

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Das Elend ist der Weg zur Schönheit
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BeitragVerfasst: 01.04.2010, 22:48 
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Ein neues Leben (Berlinale 2010 / Sektion: Generation)
Originaltitel: Yeo-haeng-ja
Trailer (KR mit Engl. UT) http://www.youtube.com/watch?v=aeCg8MbMxU4
Offizielle Filmseite: http://www.nowfilm.co.kr/www/sub02/sub02_01.html
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt1287875/

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Worum geht's?
Das Leben als Kind bietet viele Herausforderungen, an manche wagen wir nicht einmal zu denken. Der Film spielt in Südkorea im Jahre 1975. Die neunjährige Jinhee (Sae Ron Kim) wandert zusammen mit ihrem Vater durch eine Kleinstadt und versprüht dabei ein aufgewecktes Wesen. Gemeinsam gehen die beiden Schuhe kaufen, etwas Essen und ihr Vater erzählt von einer gemeinsamen Reise. Jinhee darf sich im Anschluss noch eine große Torte aussuchen, bevor jene Reise im Bus beginnt. Es klingt alles nach einen perfekten Tag für die kleine Jinhee, doch der Vater hat ein anderes Ziel für seine Tochter als sich Jinhee vorstellt.
Dies wird ihr sehr langsam bewusst, als beide vor einem großen Tor stehen, welches ein einfaches Gebäude schützt. Auf dem Gelände laufen viele spielende Kinder herum, es wirkt ein bisschen wie eine Schule oder ein Kindergarten, jedoch handelt es sich um ein Waisenhaus. Jinhee's Vater übergibt seine Tochter den Nonnen der Einrichtung, welche Jinhee sogleich über das Gelände führen um ihr alles zu zeigen. Sie selbst glaubt jedoch im Anschluss ihren Vater wieder zu sehen und mit ihm zurück zu gehen. Doch als die Führung ihr Ende gefunden hat, sieht sie ihren Vater mit gesenkten Kopf den sandigen Weg entlang laufen und spätestens jetzt ist ihr klar, was da passiert ist. Jinhee ist nun ein Waisenkind so wie die anderen.
Die ersten Tage sind durchwachsen mit emotionalen Eindrücken. Sie verweigert das Essen, isoliert sich, weint, versucht zu flüchten um zu ihrem Vater zurück zu kehren den sie weiterhin sehr liebt, aber am Ende muss auch sie lernen mit ihrem Schicksal zu leben. Sie baut langsam eine Freundschaft mit der drei Jahre älteren Sookhee (Do Yeon Park) auf, die sich der kleinen Jinhee angenommen hat um ihr im Lebensalltag zur Seite zu stehen und ihr zu helfen.
Jedoch ist in diesem Waisenhaus keine Freundschaft auf eine lange Zeit ausgelegt. Die Kinder versammeln sich immer wieder gemeinsam mit den Nonnen am Tor um ihre Freundinnen zu verabschieden, wenn diese von Adoptionseltern ausgewählt wurden. Es hinterlässt manchmal den Eindruck wie ein Basar für ausländische Ehepaare, die auf der Suche nach ihrem Kind sind. Doch niemand scheint sich tiefgreifende Gedanken über die Schicksale der Kinder machen zu wollen, geschweige denn zu ihrer aktuellen Situation.

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Meinung:
Dieser Film gehört zu der Sorte die es bereits in den ersten Minuten schaffen, eine tiefe Kerbe in den eigenen Gemütszustand zu hinterlassen. Das beobachten der Handlungen der 9 jährigen Jinhee, nachdem sie von ihrem Vater verstoßen wurde, lässt einen immer tiefer im Kinositz versinken und letztlich hofft man nur noch, dass diesem Kind bitte etwas Glück widerfahren sollte, sie hat es sich anstandslos verdient bei ihrer Willenskraft.
Man darf es durchaus als Meisterleistung betiteln, Kinder in einem Film auf diese Weise herüber zu bringen und es ist auch eine Meisterleistung des Kindes, dieses an den Zuschauer zu vermitteln. Stellenweise hatte ich das Gefühl die koreanische Antwort auf Ponetté zu sehen, ein Film der mich auch nicht viel seltener hat das Taschentuch zücken lassen, nur war ich da alleine vor meinem Fernseher.
Realitätsfern ist dieser Film definitiv nicht und auch wenn er das Jahr 1975 zeigt, so denke ich nicht das auch noch heute viele Kinder-Schicksale nicht anders enden als jenes von Jinhee.

Infos
Schauspielerin: Sae Ron Kim, Do Yeon Park
Filmjahrgang: 2009
Laufzeit: 92 Min.
Produktionsland: Korea, Frankreich
PDF der Berlinale zum Film: http://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20100276.pdf

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Zuletzt geändert von gelöscht_06 am 01.04.2010, 23:04, insgesamt 1-mal geändert.
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BeitragVerfasst: 01.04.2010, 22:49 
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Sabine Kleist, 7 Jahre
Originaltitel: Sabine Kleist, 7 Jahre
Filmausschnitt (DE) http://www.youtube.com/watch?v=oYVN0-OjwYY
Offizielle Filmseite: -
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt0084623/

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Worum geht's?
Sabine Kleist ist ein Waisenkind, ihre Eltern verstarben bei einem Autounfall und die einzige nahestehende Bezugsperson die sie im Waisenheim gefunden hat, verlässt die Einrichtung da sie in den Schwangerschaftsurlaub geht. Sabine ist über diese Umstände nicht glücklich, was sie auch offenkundig bei der Abschiedsveranstaltung von Edith (die schwangere Frau) zeigt, indem sie verweigert die Abschiedsworte aus zu sprechen.
Edith versucht als eine ihrer letzten Handlungen in einem privaten Gespräch der jungen Sabine klar zu machen, dass für sie das Leben weitergehen wird, auch ohne ihre Hilfe. Doch Sabines Reaktion ist nur, dass sie Edith aus Wut und Verzweiflung in den Bauch boxt und daraufhin fluchtartig den Raum verlässt.
Aus purer Verzweiflung beschließt Sabine für sich die Flucht aus dem Heim und verschwindet spurlos. Sie selbst beginnt eine Reise durch die unterschiedlichsten Stadtteile von Ost-Berlin auf der Suche nach einer neuen Familie.

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Meinung:
Ich wage zu behaupten das Sabine Kleist ein äußerst ungewöhnlicher Film aus der ehemaligen DDR ist. Die Situation von Sabine wird auf sehr spezielle Art nahe gelegt und lässt den Zuschauer deutlich spüren, wie sich das kleine Kind fühlt. Bereits die ersten Minuten des Films reichen aus um klar zu machen, welche emotionale Tiefe dieser Film besitzt, denn sie zeigen Fotos des Autounfalls die einem sehr prägnant und ohne Worte vermitteln, was bisher genau passiert ist und das Sabine aus diesem Grund nun ein Waisenkind ist.
Nach der Flucht aus dem Waisenhaus beginnt man den Kampfgeist des Kindes zu bewundern, das sich in völlig unbekanntes Terrain begibt.
Mit sichtlicher Unsicherheit wird sie durch ihre kindliche Neugierde durch das alte Ost-Berlin getrieben und führt dabei immer wieder Dialoge mit Menschen und Kindern die in einem viel Mitleid aber auch Bewunderung aufwachsen lassen können. Viele kleine Momente lassen Sabine kurzzeitig Aufblühen und immer wieder wächst in ihr die Hoffnung, eine neue Familie gefunden zu haben. Doch es geht genau so schnell das sie von der Realität wieder eingeholt wird.
Es ist kein Film der ein glückliches Ende verbirgt, vielmehr zerbricht man sich anschließend den Kopf darüber, wie vielen Kindern es so ähnlich gehen wird wie einst dem Charakter von Sabine.

Infos
Schauspielerin: Petra Lämmel
Filmjahrgang: 1982
Laufzeit: 73 Min.
Produktionsland: DDR

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BeitragVerfasst: 02.05.2010, 18:12 
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In meinem Himmel
Originaltitel: The Lovely Bones
Trailer (De) http://www.youtube.com/watch?v=UmFTVwAlmUg
Offizielle Filmseite: http://www.lovelybones.com/intl/de/
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt0380510/

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Worum geht's?
Es ist 1973 und die 14jährige Susie Salmon (Saoirse Ronan) ist ein typisches Teenagermädchen, das von einer Fotographenkarriere träumt, sich mit ihren Eltern streitet und vor ihren ersten Kuss mit ihrem Schulfreund Ray steht. Doch eines Tages fängt sie ihr Nachbar George Harvey (Stanley Tucci) auf dem Heimweg von der Schule unter einem Vorwand ab, überwältigt, vergewaltigt und ermordet sie. Doch Susie kommt nicht einfach in den Himmel, sondern gelangt daraufhin in ein seltsames und wunderbares Zwischenreich, das sie selbst gestalten kann, wie ihr das Mädchen Holly (Nikki SooHoo) erklärt. Dieses Reich ist ein Zwischenstation, denn Susie hat die Lieben, die sie zurückgelassen hat noch nicht losgelassen. Und tatsächlich wird ihre Familie durch ihr Verschwinden sehr belastet. Die Polizei hat keine Beweise, ihr Vater Jake (Mark Wahlberg) wird zum von dem Fall Besessenen, ihre Schwester Lindsay bringt sich mit Nachforschungen in Gefahr und ihre Mutter Abigail (Rachel Weisz) belastet das solange, bis Großmutter Lynn (Susan Sarandon) einschreiten muß. Doch Susie kann und will nicht in einen größeren "Himmel" einziehen, bis sie sich bereit dazu fühlt und Abschied nehmen will...

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Meinung:
Ich sage, dass er mir sehr gut gefallen hat! Die Perspektive und die Bilder sind schön und neu. Allerdings wird kritisiert, dass es zu kitschig inszeniert wäre. Ich mag das aber, vorallem in der Zwischenwelt fühle ich mich wohl. Ein richtiger Krimi ist es nicht, es ist ein Unterhaltungsfilm zu einem nicht unterhaltsamen Thema, der in manchen Szenen fast rührend ist.
Erinnerte mich sehr stark an "Tideland"!
Schade, dass nicht noch (wie im Buch) auf die Kindheit des Täters eingegangen wurde, so kommt mir vor allem sein Charakter unvollständig vor.

Infos
Schauspielerin: Saoirse Ronan,
Filmjahrgang: 2009
Laufzeit: 123 Min.
Produktionsland: Neuseeland, GB, USA

Dank an: anonymer, der diesen Beitrag verfasst hat

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Zuletzt geändert von gelöscht_06 am 19.05.2010, 23:36, insgesamt 1-mal geändert.
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BeitragVerfasst: 19.05.2010, 23:34 
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Nur die Wolken bewegen die Sterne
Originaltitel: Bare skyer beveger stjernene
Filmauschnitt (DE) http://www.youtube.com/watch?v=hU5qHRDXxyo
Offizielle Filmseite: -
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt0157356/

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Worum geht?s?
Immer wieder werden wir in unserem Leben mit einem Thema konfrontiert, das wir lieber verschweigen. Den Tod.
An der Stelle setzt dieses Filmwerk an. Die 11 jährige Maria begibt sich auf die Beerdigung ihres kleinen Bruders, welchen alle liebevoll "Krümel" nannten. Doch nicht nur ihren Bruder hat sie verloren, auch ihre Mutter zieht sich nach dem Tod ihres Sohnes aus dem Leben zurück und versinkt in eine tiefe Melancholie. Für Maria beginnt ein schwerer Lebensweg und sie beginnt sich ebenfalls immer mehr zurück zu ziehen und selbst ihr Vater ist spürbar überfordert mit dieser Situation und beschließt, dass Maria über die kommenden Schulferien zu ihren Großeltern fahren soll, in der Hoffnung, dass er seine Frau zurück ins Leben bringen kann.
Während sie bei ihren Großeltern ihre Zeit absitzt taucht Jakob auf, ein gleichaltriger Junge, der vorsichtig versucht Maria wieder etwas Lebensfreude ein zu hauchen. Gemeinsam besinnen sie sich auf die schönen Momente des Lebens und es lässt sich kaum verheimlichen, dass dieser Begegnung eine gewisse Liebe entflammt ist, natürlich zur Freude der Großeltern und dem Vater.
Dennoch verliert Maria nicht aus den Augen was passiert ist und versucht mit eigener Kraft, welche sie durch die Freundschaft zu Jakob gefunden hat, das angeschlagene Familienleben wieder zurück in ein Gleichgewicht zu bringen.

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Meinung:
Filme aus Norwegen scheinen sich gerne tiefgreifender mit unseren alltäglichen Lebensschwierigkeiten auseinander zu setzen, wo man selbst eher dazu tendiert sie aus zu blenden.
Dennoch erstaunt es mich, wie einfühlsam und behutsam man mit den Themen umgehen kann um einen Film daraus zu zaubern, der einen die Gedanken im positiven Sinne arbeiten lässt.
Der Film wirkt nicht überzogen oder zu hektisch, ganz im Gegenteil. Auch wenn die ersten Szenen wie ein Schlag auf den Hinterkopf wirken, so steigt mit jedem Moment der Hoffnung, welche Maria immer wieder versprüht, auch die eigene Hoffnung auf ein gutes Ende für das Mädchen.
Der Film zeigt wie viel Lebenskraft und Lebensgeister wir unbewusst in uns tragen, ohne dabei Klischeehaft zu wirken. Und er signalisiert uns, welch wichtige Bedeutung in unserem Leben eine Freundschaft haben kann.

Infos
Schauspielerin: Thea Sofie Rusten
Jahrgang: 1998
Laufzeit: 93 Min.
Produktionsland: Norwegen

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BeitragVerfasst: 22.06.2010, 17:31 
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Hansel and Gretel
Originaltitel: 헨젤과 그레텔
Trailer (DE) http://www.youtube.com/watch?v=8hBK7OPm0SY
Offizielle Filmseite: -
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt1002567/

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Worum geht's?
Der junge Eun-soo (Cheon Jeong-myeong) ist auf den Weg zu seiner schwangeren Freundin, als er von der Straße abkommt und einen Abhang hinunter fährt. Schwer verletzt bleibt er liegen. Als er wieder aufwacht, steht vor ihm ein junges Mädchen, das man im ersten Moment für Rotkäppchen halten könnte.
Da es mitten in der Nacht ist, und der Unfall in einem tiefen Wald stattfand, kommt Eun-soo mit zu dem Haus, in dem das Mädchen wohnt - ebenfalls mitten im Wald. Dort lernt er die Eltern und die beiden Geschwister kennen.
(Junge: 13 Jahre, kleine Schwester 7 Jahre, Rotkäpchen selbst 12 Jahre alt).

Eun-soo freut sich anfangs über die Gastfreundschaft und fragt dann nach einem Telefon, da sein Handy keinen Empfang hat. Doch leider funktioniert das Telefon des Hauses auch nicht. So übernachtet Eun-soo im Haus.
Am nächsten Tag macht er sich auf den Weg zur Straße. Doch so weit er auch wandert, er landet immer wieder vor dem Haus. Auch spätere Fluchtversuche scheitern.
Auf einmal verschwinden die Eltern und Eun-soo wird verdonnert, auf die Kinder aufzupassen.
Nach und nach stellt sich heraus, dass die Eltern gar nicht die eigentlichen Eltern waren, irgendjemand auf dem Dachboden ist, und mit den Kindern irgendwas nicht stimmt.

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Meinung:
Wieder einmal ist es den Südkoreanern gelungen, einen fesselnden, latent unheimlichen Film zu machen. Die eigentliche Spannung zieht der Film dabei keineswegs aus irgendwelchen Schockeffekten - die gibt es nämlich nicht - sondern aus der Planlosigkeit des Zuschauers und dem unheimlichen, merkwürdigen Gefühl, das ständig im Hintergrund lauert und der Frage: Was zum Teufel geht da vor?, und der ruhigen, unaufgeregten Erzählweise.
Der Zuschauer hat zwar das Gefühl irgendwie zu ahnen, was Sache ist, aber trotzdem bleibt es lange unbegreiflich.
Hinzu kommen auch die wunderschöne Ausstattung, die tollen visuellen Einfälle und hervorragende Schauspieler, allen voran die Kinder.
Die Geschichte als solche ist eine traurige, auch wenn es im Grunde ein halbes Happy End gibt, so wird der etwas gefühlsorientierte Zuschauer doch ein Tränchen verdrücken. Das tun die Helden im Film schließlich auch.
Insgesamt: Wer nicht auf vordergründige Filme steht, sondern sich in den Fluss einer Erzählung einfügen kann, der findet hier ein echtes Kleinod der "Dark-Fantasy".

Infos
Schauspielerin: Jin Ji-hee, Young-hee
Filmjahrgang: 2007
Laufzeit: 117 Min.
Produktionsland: Südkorea

Vielen Dank an: Muso, der diesen Beitrag verfasst hat

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BeitragVerfasst: 14.07.2010, 16:14 
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So finster die Nacht
Originaltitel: Låt den rätte komma in
Trailer (DE) http://www.youtube.com/watch?v=iXEHrg9Nj4o
Offizielle Filmseite: http://www.lettherightoneinmovie.com/
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt1139797/

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Worum geht's?
Oskar (Kåre Hedebrant) ist ein 12. jähriger Junge der zusammen mit seiner Mutter in einer Plattenbausiedlung in Stockholm lebt. Viel passiert in der derzeit winterlichen Umgebung nicht, außer das Oskar ein permanentes Opfer einiger Klassenkameraden ist, welche ihn permanent schikanieren und verprügeln. Seiner Mutter gegenüber erfindet er Geschichten, um sich vor seiner von ihn aus gesehenen Schande zu verstecken. In Wirklichkeit beschäftigen ihn diese Angriffe aber sehr und wenn er alleine für sich ist, wiederholt er das passierte so als würde er es mit seinen Feinde aufnehmen. Einiges deutet darauf hin, dass er psychisch sehr unter Druck steht und nicht der kleine brave Junge von nebenan ist.
Eines Abends beobachtet Oskar wie ein Taxi auf den Vorhof der Plattenbausiedlung anhält. Er beobachtet dabei einen älteren Herren der das Taxi verlässt, aber auch hier deutet sich nichts spektakuläres an. Das einzige was ungewöhnlich ist, sind die nun mit Karton abgedunkelten Fenster an der Wohnung nebenan von Oskar.
Einige Szenen später sehen wir den selben Mann, wie er in einer Waldlichtung unweit einer belebteren Straße in der Dunkelheit einen Passanten nach der Uhrzeit fragt. Er betäubt den Passanten, hängt ihn an einem Baum Kopfüber auf und schneidet die Kehle des Opfers durch, um Blut in einen Behälter ablaufen zu lassen. Sein Vorhaben komplett durch zu führen wird jedoch durch ein paar Spaziergänger mit einem Hund vorzeitig unterbrochen und er flüchtet.
Wieder zurück beim Plattenbau steht Oskar im verschneiten Hof des Geländes und attackiert einen Baum mit einem Messer, so als währen es seine Klassenfeinde, bis er bemerkt das er von einem Mädchen (Eli / Lina Leandersson) beobachtet wird, welches hinter ihm auf einen kleinen Klettergestell steht. Er führt einen kurzen Dialog mit ihr, dann verschwindet das Mädchen wieder, welches eindeutig vermittelt hat das sie niemals Freunde sein können, doch genau das weckt in Oskar eine gewisse Neugierde.
Am nächsten Abend geht Oskar wieder raus in den Hof, erneut taucht das Mädchen auf während Oskar versucht einen Zauberwürfel zu knacken. Beide verfallen in einen Dialog, welcher in den ersten Sekunden nicht gerade freundlich abläuft, doch Oskar bemerkt auch bei dem Mädchen gewisse Neugierde und letztlich überlässt er ihr den Würfel, damit sie das Rätsel über Nacht lösen kann.
Als sich Oskar am nächsten Tag auf den Schulweg begibt, erblickt er auf dem Klettergestell den Farbwürfel, dessen Rätsel zu seiner Bewunderung das Mädchen gelöst hat. Zum ersten mal sieht man ein Lächeln in Oskars Gesicht und es wird klar, dass aus dem ursprünglichen Vorhaben keine Freundschaft zu knüpfen, nichts wird.
Am Abend treffen sich die beiden dann wieder und kommen sich etwas näher als bisher. Erstmals verrät das Mädchen nun ihren Namen und stellt sich als Eli vor. Oskar fragt, wie alt sie ist und Eli antwortet: "12... ungefähr". Das ungefähr löst bei Oskar weitere Neugierde aus, denn wie kann man nicht wissen wie alt man genau ist? Eli entpuppt sich zunehmend zu einem kleinen Mysterium für Oskar und mit jeder Begegnung die die beiden haben, lebt die neue Freundschaft mehr und mehr auf. Aber mit jeder gemeinsamen Unternehmung welche die beiden haben, bemerkt Oskar das Eli ein sehr spezielles Mädchen zu sein scheint. Auch Eli vertraut sich Oskar immer mehr an, bis sie ihm eines Abends ein Geheimnis verrät, dass ihre Person umgibt.

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Meinung:
Das Genre des Horrorfilms ist weit gefächert und Hollywood präsentiert uns massenweise Filme die uns für ein paar Sekunden in den Sitz pressen sollen. Feinfühlige und tiefgreifende Horrorfilme gibt es hingegen weniger und genau in diese Sparte gehört "So finster die Nacht". Es ist ein interessantes Werk aus Schweden geworden, das schon einen gewissen Kultfaktor mit sich ziehen dürfte.
Der Aufbau der Geschichte ist gelungen, wenn auch manchmal etwas langatmig. Doch die Ruhe des Films steigert auch die Beklemmung des ungewissen und bringt einen ganz besondere Geräuschkulisse ans Tageslicht, die man aber nur entdeckt wenn man sich die Zeit zum zuhören nimmt. So finster die Nacht ist kein klassischer klischeehafter Vampirstreifen wo es nur ein reines Gemetzel gibt, er ist auch nicht überzogen mit all den Mythen rund um Vampirismus, erlaubt aber auch mal den einen oder anderen Blick über den Tellerrand.

Infos
Schauspielerin: Lina Leandersson
Jahrgang: 2008
Laufzeit: 110 Min.
Produktionsland: Schweden

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BeitragVerfasst: 23.09.2010, 20:27 
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AoA: 3-9
Two eyes staring - Fantasy Filmfest 2010
Originaltitel: Zwart water
Trailer (NL / OMU) http://www.youtube.com/watch?v=zpO9viXOOu8
Offizielle Filmseite: www.zwartwaterdefilm.nl/
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt1223980/

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Worum geht's?
Die 9 jährige Lisa (Isabelle Stokkel) lebt zusammen mit ihren Eltern in einem normalen Haus in den Niederlanden. Gleich zu Beginn der Geschichte erfährt man, das die Großmutter kürzlich verstorben ist, doch der Kontakt zu dieser Familienseite scheint nicht der beste gewesen zu sein seitens der Mutter.
Dennoch hat sie von ihr eine große Villa geerbt, welche in Belgien steht.
Sie wagen den großen Schritt und starten den Versuch, in der ruhigen Idylle ein neues Leben an zu fangen. Gemeinsam begibt sich die Familie zu Ihrem neuen Grundstück und Christine (Mutter von Lisa) wird unweigerlich mit der Vergangenheit konfrontiert als sie am Haus auf ihren Bruder trifft, der dort zusammen mit seinem Sohn die Familie erwartet.
Christines Freude über das Wiedersehen hält sich jedoch sichtlich in Grenzen und auch das Haus bereitet ihr kein wohlbehagendes Gefühl, dennoch lässt sie sich am Ende von ihrem Mann überzeugen und gemeinsam zieht die Familie in das wohnliche alte Haus ein.
Hier beginnt auch Lisa ihre Erkundungsreise durch das alte Gemäuer und stößt, für diese Art von Filmen ganz klassisch, auch unweigerlich auf den Zugang zum Keller, an dem sie eine in das Mauerwerk eingeritzte Zeichnung von zwei Kindern entdeckt. Liosa verzichtet jedoch vorerst darauf, diesen Keller weiter zu erkunden.
Für Lisa beginnt nun im Zuge der neuen Umgebung auch eine große Umstellung in ihrem Leben. Eine neue Schule erwartet sie und natürlich auch neue Freunde, doch Lisa ist kein offenes kommunikatives Kind, sie lebt lieber in Zurückhaltung, phantasiert gerne und auch ihre Eltern sind nicht immer ein wahres Paradebeispiel für ein perfektes beisammen sein.
So leugnet die Mutter von Lisa schon während eines Bewerbungsgespräch bei einem Designerstudio, dass sie ein Kind hat, nur um ihre Bewerbungschancen zu erhöhen, mit Erfolg. Lisa bleibt durch die Nachlässigkeit der Mutter schon nach ihrem ersten Schultag auf der Strecke und wird als einzige nicht von der Schule abgeholt. Erst ihr Vater holt sie dann recht spät an einem anderen Ort ab, zu dem Lisa in der Zwischenzeit gewandert ist.
Am Abend wird Lisa dann vom lauten klingeln eines Wecker aus dem Bett geholt und sie begibt sich erneut auf eine Erkundungsreise durch das alte Haus. In einem Zimmer, aus dem der Wecker schallte, wird hier ein Vorhang leicht aufgewirbelt, hinter dem sich ein verschlossener Koffer verbirgt, Dieser weckt unweigerlich Lisas Neugierde und nachdem sie diesen Koffer geöffnet hat, entdeckt sie mitunter ein altes Tagebuch aus dem Jahr 1979, welches einst ihre Mutter geschrieben hat.
Lisa beginnt das Buch aufmerksam durch zu lesen und schläft schließlich über der Lektüre ein, bis sie durch ein lautes Klopfen, dessen Quelle der Keller ist, aufgeweckt wird. Aus den oberen Stockwerk begibt sich Lisa langsam auf den Keller zu, blickt in die tiefe Dunkelheit und beschließt die Türe sicherheitshalber ab zu sperren, doch als sie sich von der Tür wegdreht, blickt sie auf ein blasses Mädchen mit tiefschwarzen Augen, welches mit leicht gesenkten Kopf auf sie regungslos zurück blickt. Lisa bringt sich vor Schreck in Sicherheit und als sie vorsichtig um die Ecke schielt, ist das Mädchen wieder verschwunden.
Am nächsten Abend sammelt Lisa erneut ihren ganzen Mut zusammen und begibt sich erneut in Richtung Keller, wandert langsam die Stufen hinab und entdeckt hinter einem Mauerwerk das Mädchen, welches am Boden hockt und beginnt mit Lisa den Dialog zu suchen. Sie erzählt ihr, die Zwillingsschwester ihrer Mutter zu sein...

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Meinung:
Zwart Water erfüllt weitestgehend klassische Klischees eines Horrorfilms aus Hollywood, doch in einem Punkt hebt sich dieses Werk erfreulicher weise etwas ab, denn er ist weitaus familiärer und menschlicher gehalten. Anstatt nun mit einem Horroreffekt nach dem anderen auf zu warten und den "Poltergeist" als wirklich böses Wesen hin zu stellen der die gesamte Familie auf dem Gewissen hat, setzt dieser Hausgeist auf eine gezielte, aber nicht ganz uneigennützige Freundschaft mit Lisa.
Ebenfalls bekommt man einen recht umfangreichen Einblick in das Familienleben, was recht typisch für Filme aus den Niederlanden zu sein scheint. Dies ist mir jedenfalls auch bei anderen Filmen aus dieser Region aufgefallen.
Isabelle Stokkel liefert für diesen Film auch einen sehr starken Charakter durch ihre Mimik und ihr Verhalten, so das es ein im Gesamtkonzept in einer wirklich sehenswerten Geschichte endet, wo man am Ende nicht einfach sagen kann: "Das habe ich nun schon so oft gesehen".
Es ist genau das Gegenteil... Man erwartet mit Spannung den Ablauf des Films und knüpft Stück für Stück die kleinen Zusammenhänge zwischen dem toten Mädchen und der Familie. Und gerade wenn man glaubt, dass nun alles abgehakt und erledigt ist und man den klaren Faden gefunden hat auf den der Film hinarbeitet, eröffnet sich eine neue Wahrheit mit einer unerwarteten Wendung.

Infos
Schauspielerin: Isabelle Stokkel, Charlotte Arnoldy
Filmjahrgang: 2010
Laufzeit: 112 Min.
Produktionsland: Niederlande

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BeitragVerfasst: 29.09.2010, 22:01 
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AoA: 3-9
Pans Labyrinth
Originaltitel: El laberinto del fauno
Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=bB54cllp15k
Offizielle Filmseite: http://www.panslabyrinth.com/
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt0457430/

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Worum geht's?
Kinder lieben Märchen und sie besitzen meistens mehr Phantasie als wir uns als Erwachsene vorstellen können. Auch die junge Ofelia (Ivana Baquero) verschlingt sie am laufenden Band. Mit einigen Büchern im Gepäck reist sie zusammen mit ihrer hochschwangeren Mutter im Jahr 1944 durch Spanien mit dem Ziel eine Behausung zu erreichen, welche in einem Wald in den Bergen liegt. Jedoch wird ihre Anreise durch eine kurze Pause unterbrochen, denn die Mutter wird von etwas Übelkeit heimgesucht. Während dieser kleinen Pause zieht eine einfache Statue aus Stein Ofelias Blicke auf sich, die sie im Wald entdeckt. Sie geht zu ihr, entdeckt einen Stein auf dem Boden und fügt diesen in ein passendes Loch bei der Statue ein. Kurz darauf taucht aus dem Mund der Steinstatue ein größeres Insekt auf, was sehr an eine Heuschrecke erinnert und Ofelia schreckt zurück. Dann wird sie von ihrer Mutter gerufen und die Reise geht weiter.
Die Behausung im Wald gehört einem Hauptmann (Sergi López), der von dort aus die francistischen Milizen der Gegend befehligt. Er ist ein eiskalter Charakter, doch Ofelias Mutter hat ihn geheiratet und ist dem Wunsch des Hauptmanns gefolgt, dass Kind dort vor Ort auf die Welt zu bringen. Doch sein Interesse gilt weniger den beiden Frauen sondern er möchte lediglich, dass sein ungeborener Sohn dort gesund zur Welt kommt und dafür stellt er dort alles zur Verfügung, einschließlich einen hauseigenen Doktor.
Bereits am ersten Abend wird Ofelia aus ihrem Schlaf gerissen durch ein Geräusch von einem Insekt das durch das Zimmer geistert. Es ist das selbige Insekt, welches Ofelia bereits im Wald begegnet ist. Als sich dieses Insekt schließlich auf der Bettdecke niedergelassen hat, beginnt Ofelia mit dem Tier zu reden, weil sie es für eine Fee hält. Allerdings hat Ofelia ein anderes Bild von einer Fee und hält dem Wesen schließlich ein Buch mit einem Abbild von einer Fee vor den Kopf. Das Wesen studiert das Bild für einen kurzen Moment und verwandelt sich sogleich vor Ofelias Augen zu einer Fee wie auf dem Abbild im Buch und fordert sie anschließend mit einigen Zeichen auf, ihr zu folgen.
Von diesem Fabelwesen wird Ofelia zu einem Labyrinth geführt, welches Ofelia bereits bei Tag entdeckt hat, jedoch wurde sie beim weiteren Erkunden von dem Dienstmädchen des Hauptmanns unterbrochen.
Doch nun hat sie einen kleinen Begleiter welcher sie zu einer tiefer gelegenen Lichtung führt, wo sich ein Pan (ein Wesen das an ein kleinen älteren Baum erinnert) versteckt hält.
Er erzählt Ofelia, dass er sie schon lange erwartet hat, denn sie ist in Wirklichkeit eine Prinzessin einer verborgenen Welt. Doch Ofelia soll dem Pan in drei auferlegten Prüfungen beweisen, dass sie zwischenzeitlich nicht zu einer sterblichen geworden ist. Diese Prüfungen muss Ofelia alle bewältigen, bevor der nächste Vollmond erscheint. Alle Prüfungen sind in einem Buch der Scheidewege festgehalten, welches er ihr mit dem Hinweis überreicht, dass sie dieses Buch nur dann lesen soll, wenn sie ganz alleine ist. Als Ofelia das Buch nach der Annahme öffnet und durch die Seiten blättert, sieht sie jedoch nur leere Seiten. Sie möchte den Pan darauf hinweisen, doch ist dieser bereits verschwunden.
Am nächsten Tag zieht sich Ofelia zum Baden zurück. Dort im Badezimmer hat sie das Buch hinter einem alten Heizkörper versteckt, welches sie nun erneut öffnet und während sie durch die leeren Seiten blättert, gibt dieses langsam vor ihren Augen immer mehr von seinem Inhalt preis. Zeichnungen und Texte erscheinen langsam während ihre Hand die Seiten berührt, doch ihr Bann wird durch ein Klopfen der Mutter an der Tür unterbrochen, denn sie möchte Ofelia gerne ein neues Kleid überreichen mit dem sie vor dem Hauptmann auftreten soll.
Wenig später streift Ofelia in ihrem neuen Gewand mit dem Buch in der Hand durch die Waldumgebung und liest währenddessen die ihr erschienenen Zeilen, die sie zu einem alten sterbenden Baum führen. Dieser Baum verbirgt die erste Aufgabe für Ofelia und sie begibt sich in das innere, wie einst Alice aus der Geschichte "Alice im Wunderland".

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Meinung:
Mit Pans Labyrinth ist dem Regisseur Guillermo del Toro (Evt. auch bekannt durch die Filme Hellboy, Mimic oder Cronos) ein eindrucksvolles und aus meiner Sicht atemberaubendes modernes Märchen gelungen, wie man es sich in der heutigen Zeit öfter wünscht. Ein Kultfilm der bereits nach dem erscheinen auf der Leinwand Filmgeschichte geschrieben hat.
Doch ist Pans Labyrinth kein einfaches Märchen das sich ganz entspannt genießen lässt, sondern es wartet immer wieder mit krassen Szenen auf die einem das Blut ziemlich unangenehm in den Adern gefrieren lässt. Dafür sorgt die immer wiederkehrende Kaltblütigkeit des Hauptmanns, der völlig kompromisslos agiert. Auf der anderen Seite wird man dank Ofelia in eine wundervolle Welt entführt und hofft zunehmend, dass ihr zugeteilter Auftrag des Pans gelingt.
Gestärkt durch die Bildgewalt die dieser Film liefert, ist fast jede Minute ein wahrer Augenschmaus und auch hier kann sich die Filmmusik wahrlich hören lassen. Bitter ist hingegen das Ende des Films, welches ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten kann, denn es würde das ganze Werk absolut zerstören.


Infos
Schauspielerin: Ivana Baquero
Filmjahrgang: 2006
Laufzeit: 119 Min.
Produktionsland: Spanien, Mexiko, USA

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BeitragVerfasst: 02.10.2010, 19:01 
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Der geheime Garten
Originaltitel: The Secret Garden
Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=L_5khYG5LFA
Offizielle Filmseite: -
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt0108071/

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Worum geht's?
Die 10-jährige Mary Lennox (Kate Maberly) lebt mit ihren reichen Eltern in Indien. Mary wächst im äußeren Luxus auf, sie hat sogar eine eigene Dienerin, die sie ankleidet. Aber ihre Eltern nehmen sich keine Zeit für sie, sie können ihr keine Liebe und Geborgenheit geben. So entwickelt sich die verwöhnte, aber von den Eltern vernachlässigte Mary zu einem trotzigen Kind. Eines Tages kommen Marys Eltern unvermutet durch ein schweres Erdbeben ums Leben. Das überlebende Waisenmädchen Mary wird zu ihrem Onkel nach England geschickt, der ihr einziger noch lebenden Verwandter ist.
Der Onkel, ein in einem entlegenen Schloss lebender Lord, trauert um seine vor 10 Jahren tragisch verunglückte Gattin, ist völlig unnahbar und flüchtet sich ständig in wochenlange Reisen in die Ferne. Marys Bezugspersonen sind nun die strenge Hausdame des Schlosses (Maggie Smith) und deren Dienstmädchen Martha. In Martha, die sich von Marys trotziger Art nicht unterkriegen lässt, erlebt Mary eine Warmherzigkeit, die sie bisher nicht kannte.
In der weitläufigen Gartenanlage des Schlosses entdeckt Mary bei ihren Streifzügen auch einen kleinen, abgeschlossenen Gartenbereich, der von einer hohen verwachsenen Mauer umgeben ist. Der Gärtner sagt ihr, dass niemand diesen Garten betreten dürfe, Mary findet aber den Schlüssel und geht heimlich hinein. Marthas 12-jähriger Bruder Dickon erzählt Mary, dass ihr Onkel, den Garten schließen ließ, nachdem seine Gattin dort von der Schaukel fiel und starb. Gemeinsam mit Dickon beschließt Mary den verwahrlosten Garten wieder grün und lebendig zu machen.
Durch Zufall entdeckt Mary im Schloss auch den Sohn ihres Onkels, den 10-jährigen Colin, der, behütet von der Dienerschaft, in einem abgedunkelten Zimmer lebt und dieses niemals verlassen darf. Colin war nach dem Unfall seiner Mutter zu früh geboren worden und seine Mutter war gleich nach seiner Geburt gestorben. Sein Vater hat nun Angst, den einigen Sohn auch noch zu verlieren. Colin selbst glaubt, dass er schwer krank ist, was jedoch gar nicht der Wahrheit entspricht. Mary gelingt es schließlich, Colin zu überzeugen, dass Licht und frische Luft nicht schädlich für ihn sind und führt ihn gemeinsam mit Dickon in den geheimen Garten, wo Colin aus seinem Rollstuhl aufstehen und gehen lernt.
Als Colins Vater plötzlich unangemeldet von seiner Reise zurückkehrt, erlebt er eine Überraschung, die er sich nie zu träumen gewagt hätte.

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Meinung:
Die Geschichte, die bereits mehrmals verfilmt wurde, basiert auf dem Kinderbuch-Klassiker von Frances H. Burnett aus dem Jahr 1909. Der Film hält sich weitestgehend - auch in Details - an dieses Original und übersetzt es in wahrhaft wundervolle Bilder. Was von der - wenngleich insgesamt wohlwollenden - Kritik mitunter als kitschig bezeichnet wird, löst sich vor dem Auge desjenigen Betrachters auf, der gewillt ist, sich geistig und sinnlich ganz auf dieses Kunstwerk einzulassen.
Kate Maberly ist in ihrer Rolle und in ihrer Verwandlung vom trotzigen, verwöhnten Mädchen zum Kind, das lieben kann, absolut überzeugend.


Infos
Schauspielerin: Kate Maberly
Jahrgang: 1993
Laufzeit: 98 Min.
Produktionsland: USA, Großbritannien

Dank an: Bruno, der diesen Beitrag verfasst hat

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BeitragVerfasst: 02.10.2010, 19:59 
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Winn-Dixie - Mein zotteliger Freund
Originaltitel: Because of Winn-Dixie
Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=QaOCYmzIgJw
Offizielle Filmseite: http://www.walden.com/movie/because_of_winn-dixie/
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt0317132/

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Worum geht's?
Die 10-jährige Opal (AnnaSophia Robb) ist mit ihrem Vater, einem Prediger (Jeff Daniels), gerade in die Kleinstadt Naomi im Süden der USA gezogen. Ihre Mutter hat die Familie verlassen, als Opal drei Jahre alt war und Opal hat keine Erinnerungen mehr an sie. Opal fühlt sich einsam. Wenn sie mit ihrem Vater über ihre Mutter sprechen möchte, blockt er ab und weicht dem Thema aus. In der neuen Stadt hat Opal auch sonst keine Freunde, mit denen sie sich austauschen kann.
Eines Tages begegnet sie in einem Supermarkt einem herumstreunenden Hund, den sie in einem spontanen Entschluss "Winn-Dixie" (nach einer US Supermarkt-Kette) nennt, vor den Leuten dort als ihren eigenen Hund ausgibt und mit nach Hause nimmt. Sie muss nun zunächst ihren Vater, dann auch den Vermieter überzeugen, den Hund behalten zu dürfen, was keineswegs einfach ist, schließlich aber gelingt. Der Hund wird Opals erster Freund. Und nun, als sie mit dem Hund durch die Stadt zieht, gelingt es ihr plötzlich auch, mit den Menschen der Kleinstadt in Kontakt zu kommen, die auf ihre Weise ebenso einsam sind, wie sie selbst: So lernt sie in einem Tiergeschäft den menschenscheuen Otis kennen, der im Gefängnis gewesen war und nun auf seiner Gitarre Musik für die Tiere macht. Sie trifft die Bibliothekarin Miss Franny, der ihre Bücher immer als Ersatz für menschliche Beziehungen gedient haben, sowie die fast blinde Gloria, die ein großes Alkoholproblem hatte und nun in völliger Einsamkeit lebt. Opal erfährt, dass das hochnäsige Mädchen Amanda aus der Nachbarschaft in Wirklichkeit an der Verarbeitung des Todes ihres ertrunkenen Bruders leidet, schließt mit der kleinen daumenlutschenden Sweetie Pie Thomas (Elle Fanning), die auch schon lange so gerne einen eigenen Hund hätte, Freundschaft, und sie erkennt, dass die beiden Dewberry-Jungen sie nur deshalb ständig hänseln, weil sie ihre Aufmerksamkeit wollen und im Grunde selbst auch einsam sind.
Opal organisiert schließlich eine große Party bei Gloria, zu der sie alle ihre neuen Freunde einlädt und zusammenbringt, um dort eine letzte offene Frage ihrer Vergangenheit zu klären...

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Meinung:
Der Film, der auf dem erfolgreichen gleichnamigen Kinderbuch der amerikanischen Autorin Kate DiCamillo fußt, punktet vor allem durch seine ruhige Erzählweise. Humor ist dabei durchaus auch zu finden, aber die leise Geschichte, die sich durch menschlichen Tiefgang auszeichnet, wird insgesamt nicht durch Effekthaschereien zugedeckt.
AnnaSophia Robb überzeugt in ihrer Rolle als 10-jährige Opal.


Infos
Schauspielerin: AnnaSophia Robb, Elle Fanning
Jahrgang: 2005
Laufzeit: 106 Min.
Produktionsland: USA

Dank an: Bruno, der diesen Beitrag verfasst hat

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BeitragVerfasst: 02.10.2010, 20:48 
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Karo und der liebe Gott
Originaltitel: -
Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=hOqS8tIpbpo
Offizielle Filmseite: http://www.karoundderliebegott-derfilm.de/
IMDB Eintrag: http://www.imdb.com/title/tt0770183/

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Worum geht's?
Die 8-jährige Karo (Resi Reiner) ist Einzelkind der Musikerin Alice Lenz (Petra Morzé) und des TV-Showmasters Peter Lenz (Markus Gertken). Alice Lenz ist als Organistin in der Kirche tätig, sie trauert ihrer wegen der Familiengründung seinerzeit abgebrochenen Karriere als Pianistin immer noch nach. Peter Lenz ist als Moderator seiner regelmäßig ausgestrahlten Verkuppelungs-Show für Singles "Der Lenz ist da" ein beliebter Fernsehstar. Seine vorgeblichen häufigen und langen Arbeitszeiten im Studio, durch die er die Familie vernachlässigt, dienen allerdings auch dazu, sich mit seiner Assistentin Lizzi zu treffen, mit der er ein Verhältnis hat.
Alice hat Peter schon länger durchschaut. Eines Abends - ausgerechnet am Tag von Karos Erstkommunionsfeier - erlebt Karo einen heftigen Streit zwischen ihren Eltern. Das Ergebnis ist, dass die Eltern sich trennen: Alice zieht mit Karo aus dem gemeinsamen Haus aus in eine eigene Wohnung. Karo gefällt diese kleine, schäbige Wohnung und ihr neues Zimmer überhaupt nicht, vor allem aber kann sie die Trennung ihrer Eltern, die sie beide sehr gern hatte, nicht verkraften. Schließlich bittet sie über ihr Walkie Talkie, das sie als Erstkommunionsgeschenk bekommen hatte, den Lieben Gott um Hilfe: "Lass alles wieder so sein, wie es früher war". Aber es erfolgt keine Antwort.
Karo kann ihren Vater nun fast ausschließlich im Studio besuchen kommen, und als sie dort hautnah das intime Verhältnis zwischen Peter und Lizzi miterlebt, wird für sie alles noch schlimmer. "Ich bin dir total Wurst... Du bist urgemein!" beschimpft sie, zu Hause angekommen, über ihr Walkie-Talkie den lieben Gott. Und verblüffender weise meldet sich nun der "liebe Gott" (Branko Samarovski) zurück, denn "Gott" ist ein etwas verwahrloster älterer Herr mit einem Alkoholproblem aus der Nachbarschaft, der das zweite Walkie Talkie gefunden hat als der Umzug statt fand. Allerdings ist er nicht gerade freundlich zu Karo und spricht zudem einen ganz heftigen Wiener Dialekt. So hat sich Karo den lieben Gott wahrlich nicht vorgestellt!
Am Folgetag sitzt Karo im Hausflur und verfolgt einen Dialog von zwei Vertretern der Kirche, die vergeblich versuchen bei einem Herren aus der Nachbarschaft ihren Glauben zu vertreten. Als dieser recht unfreundlich reagiert und zu den Vertretern spricht, erkennt Karo die Stimme wieder und als die Vertreter die Tür verlassen, formt ein Lichtspiel ein Kreuz an seine Tür. Das kann kein Zufall sein und somit begibt sich Karo sehr skeptisch an die Tür und versucht hartnäckig ihr Glück am Briefschlitz seiner Tür und drängt ihn in seine Rolle als lieben Gott. Auch an den folgenden Tagen lässt Karo nicht locker und folgt ihm auf Schritt und tritt.
Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Karo und dem älteren Herren und schließlich schmieden die beiden heimliche Pläne mit dem Ziel, Karos Eltern wieder zusammen zu bringen, denn für Gott sollte das doch kein Problem sein, doch hält das Leben immer ganz unerwartete Wendungen parat, mit denen auch Karo lernen muss um zu gehen.

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Meinung:
Der Film wurde 2005 in Österreich, hauptsächlich in Wien gedreht. Er unterscheidet sich in erfrischender Weise von einem großen Teil der Kinderfilme, die aktuell auf den Markt kommen. Frei von äußerlichen Effekten und Slapstickeinlagen, kann dieser Film mit grandiosem Schauspiel durch Ensemblemitglieder des Wiener Burgtheaters - allen voran Branko Samarovski in der Rolle des "Lieben Gott" - aufwarten.
Die der Erlebniswelt des Kindes entsprechende Handlung wirkt durchwegs authentisch und ist zudem mit viel Humor gewürzt. Der schlimme Wiener Dialekt vom "Lieben Gott" ist möglicherweise zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, gibt aber gerade dieser Rolle ihre unverwechselbare Note.
In ganz besonderer Weise herausragend ist aber das Spiel der 9-jährigen Resi Reiner in der Rolle der Karo.


Infos
Schauspielerin: Resi Reiner
Filmjahrgang: 2006
Laufzeit: 94 Min.
Produktionsland: Österreich

Dank an: Bruno, der diesen Beitrag verfasst hat

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BeitragVerfasst: 18.10.2010, 00:07 
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Phoebe in Wonderland
Originaltitel: Phoebe in Wonderland
Trailer (EN): http://trailers.apple.com/trailers/thinkfilm/phoebeinwonderland/
Offizielle Filmseite: http://phoebeinwonderland.com/
IMDB Eintrag: http://www.imdb.de/title/tt1034325/

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Worum geht's?
In ihrem 9. Lebensjahr kommt bei Phoebe Lichten (Elle Fanning) das Tourette-Syndrom zum Vorschein: Zwanghafte Handlungen wie Wortausrufe, Spucken, Händewaschen bis zur Verletzung oder endloses Wiederholen von Schritten brechen unkontrolliert aus ihr heraus. Die Mitschüler und die überforderten Eltern wissen damit nicht umzugehen, schon gar nicht die auf Regeldrill und Gleichschaltung getrimmten Lehrer. Von allen Seiten hagelt es Kritik und Schimpf auf Phoebe. Zunehmend zieht sie sich aus der Realität in eine Fantasiewelt zurück. Nur die Hauptrolle in dem Schulmusical Alice in wonderland vermag ihr Halt zu geben.

Der Film beginnt mit einer lachenden Phoebe, die ein Miniaturmodell von Alices Wunderland geschenkt bekommt. Mit Phoebe wirbelt die Kamera um das Modell, überall bewegt sich etwas, mit einer Lupe wird neugierig das Wunderland erforscht. Es folgt ein brutaler Szenencut – der Lehrerprügel kracht laut auf die Tafel, und die Lehrerin zitiert monoton die Schulregeln vor der statisch sitzenden Klasse. Eine Regel lautet: Stelle Fragen nur, wenn Fragen erlaubt sind. Vorbei ist es mit der Fröhlichkeit, neugierig mit der Lupe das Unbekannte zu erforschen. Mit diesen ersten Minuten sind die Gegenpole des Filmes definiert.
Doch Phoebe will sich den Zwängen des geistigen Gefängnisses nicht unterwerfen, und kann es ob des Tourette-Syndroms auch nicht. In der Klasse hat sie wegen ihres extravaganten Verhalts keine Freunde, wird gemobbt und gehänselt, Lehrer verurteilen ihr Benehmen, die Eltern sind nur Marionetten des erzieherischen Unterdrückersystems.
Eines Tages schreibt die neue Theaterlehrerin Mrs. Dodger (Patricia Clarkson) die Stellen für das Schulmusical Alice in wonderland aus. Mehrmals steht Phoebe zögernd vor der Bewerbungsliste, traut sich jedoch nicht, sich einzuschreiben.
Eines Abends besucht sie mit ihrer Mutter das Ballett Schwanensee. Staunend betrachtet sie die Vermenschlichung der Schwanenkönigin. "Sie verwandelt sich", erklärt die Mutter den Vorgang. Am nächsten Tag tritt Phoebe erneut vor die Teilnehmerliste des Musicals. Plötzlich sieht sie die Gestalt der Wunderland-Alice durch das Treppenhaus flitzen, und erkennt darin ein Zeichen. Zu Tschaikowskis Szenen-Musik der Schwanenverwandlung trägt sich Phoebe ein: Damit ist Phoebes Verwandlung vollendet, denn bereits jetzt hat sie gedanklich ihr Schicksal mit dem von Alice verknüpft.
Phoebe bekommt die Rolle der Alice. Als sich die Kinder zur ersten Probe einfinden, scheinen sie in einer verkehrten Welt zu sein: "Was sollen wir tun?", fragt ein Mädchen die Theaterlehrerin. "Sagt mir, was zu tun ist", antwortet diese. Aber die angepassten Regelbefolger stehen hilflos da und warten auf Anweisungen. Nur Phoebe blüht auf!
Doch außerhalb des Theaters wird ihr Zustand immer schlimmer: Ihr Verhalten gegen die Mitschüler wird dramatischer, die Fantasiefiguren aus dem Wunderland sind ihre einzigen Ansprechpartner, und die Eltern schalten einen nichtstauglichen Psychologen ein. Schließlich kommt es zu einem Selbstmordversuch, als Phoebe von der hohen Beleuchterbrücke der Theaterbühne springt. Zwar übersteht sie den Sturz mit leichten Blessuren, doch wird Mrs. Dodger wegen dieses Vorfalls entlassen. Das Musical-Projekt – und damit Phoebes einzige Freude – droht zu verenden. Während die anderen Schüler mangels anweisenden Theaterlehrer schon resignieren und die Bühnenkulisse zerstören, nimmt Phoebe Zepter und Krone und verlautet das, was sie die ganze Zeit – und was auch schon Lewis Carroll wusste: "We tell ourselves what to do" – Wir bestimmen selbst, was wir tun!

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Meinung:
Unverständlicherweise hat der Film bis heute keinen Vertrieb im deutschsprachigen Raum gefunden, doch wer des Englischen ein wenig mächtig ist, wird seine Freude an dem Werk haben, denn es lebt von seinen Bildern und berührt mit seinen emotionalen Expressionen das Herz: Bereits beim Vorspann liefen mir die Thränen, und es hörte nicht auf.
Kritischerweise muss man anmerken, dass die Nebenpersonen blass, übertrieben klischeehaft und hölzern stereotyp dargestellt werden, dass es zuweilen peinlich ist: die über-überforderten Eltern, der oberböse-strenge Direktor, die immerfiesen mobbenden Mitschüler, die verklärte Theaterkünstlerin vom anderen Stern. Doch diese Billigkeit der Nebendarsteller und der Inszenierung ist gleichzeitig wertvoll, denn sie bilden den Kontrapunkt zu Elles Darstellung als Phoebe, die mit ihren 9 Jahren in diesem Film ihr Können eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Überhaupt ist der ganze Film von Gegensätzen geprägt: Realität – Fantasie; Regeln befolgen – Selbstherrschen; normal – verrückt; Phoebe – Rest der Welt. Der Kontrast zwischen der Hauptdarstellerin und den plumpen Nebenfiguren erzeugt sogar das Gefühl, als wäre ausgerechnet das kranke Mädchen die einzige Normale in diesem Film.
Erst am Ende werden durch Phoebe als zentraler Dreh- und Angelpunkt die gegensätzlichen Welten vereint. Nicht die doktrinäre Realität ist das Ideal. Auch die reine Fantasie ist keine Lösung; die Traum-Charaktere geben selbst zu, dass sie Phoebe nicht helfen können. Der Weg dazwischen, eine Realität mit fantastischem Geiste wahrgenommen, ist der Schlüssel zum Leben und zur Selbstfindung.

Elles Schauspiel ist sehr natürlich und überzeugend – und damit in schönster Weise erschütternd. Es gab nur wenige Filmminuten, in denen ich nicht geweint hatte. Man ist verleitet, die Hände nach dem Bildschirm auszustrecken, um das Mädchen zu umarmen.
In einer Szene erwacht Phoebe zu nächtlicher Stunde und schreit. Die Mutter entdeckt die aufgescheuerten Knie, und Phoebe heult sich in ihren Armen aus – selten traf mich eine schauspielerische Darbietung so sehr wie diese von Elle.

Infos
Schauspielerin: Elle Fanning (9)
Jahrgang: 2008
Laufzeit: 96 Min.
Produktionsland: USA

Dank an: Smaragd aus Oz, der diesen Beitrag verfasst hat

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BeitragVerfasst: 10.11.2010, 17:43 
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Ich habe nun einige Tage nach dem festen Beschluss der Einschränkungen bei der Editierfunktion nachgedacht, ob ich diesen Schritt gehe oder nicht...

Ich habe mich entschieden, die Filmliste mit den Einschränkungen nicht mehr weiter zu führen. Sicherlich ist der Zeitraum nun großzügig genug um hier und da mal einen kleinen Fehler zu beseitigen, doch die Filmliste ist da leider etwas anderes.

Wenn ich nur an eine mögliche leichte Konzeptänderung denke, wird mir schon schwindelig. Nicht nur das ich dann jeden Beitrag einzeln melden muss... ich müsste auch noch erklären wie und wo.

Das selbe trifft auf so etwas simples wie die erste Seite dieses Threads zu, wo ich nicht nur einen Index der Filme führe sondern auch immer meine Änderungen festgehalten habe um transparent zu arbeiten.

Mir wurde gesagt, ich soll den geringen Mehraufwand in kauf nehmen...
Ich sage: Die Filmliste ist an sich ein großer Aufwand, selbst wenn er von jemand anderen an mich übermittelt wird.

Ich persönlich finde es schade diesen Schritt zu gehen, denn mir liegt dieses Projekt sehr am Herzen.

Danke für den großen Zuspruch...

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